29.01.2012

Winterruhe

24.01.2012

Seit heute…

… steht sie nun drin im Prüfungsportal, meine Masterarbeit, unter dem Stichwort «Abschlussarbeit»,

… läuft also der Countdown,

… gibt es kein Zurück, sondern nur ein Vorwärts,

… schön, diese letzte Etappe bis zum nächsten Neuanfang…

Die Kinder der Lerngruppe «Freies Schreiben» haben sich mittlerweile zu echten SpezialistInnen entwickelt, wenn es darum geht, sich beim Schreiben bei Laune zu halten. Natürlich verwenden sie den Begriff «volitionale Strategien» nicht. Aber sie haben mir ihren «Trick 77» verraten, was sie unternehmen, damit ihnen das Schreiben Freude bereitet. Unter den wirklich beeindruckenden Strategien befindet sich auch diese:

«Ich denke immer, dass, wenn ich die Geschichte fertig habe, dann habe ich dann Freude.»

Darin unterscheidet sich diese Schülerin nun gar nicht von mir, denn ich stelle mir auch schon meine Freude vor, wenn ich die Masterarbeit fertig vor mir liegen haben werde. So weit ist es heute und morgen aber noch nicht. Ich kodiere gerade die Lerntagebucheinträge des dritten Design-Zyklus’. Und das ist eine wirklich schöne Arbeit, weil ich ganz in diese Daten versinken kann und meine SchülerInnen in ihrer wunderbaren Vielfalt vor mir sehe. Ein Schüler hat sich Gedanken dazu gemacht, womit er sich nach den einzelnen Schreibschritten belohnen könnte. Und er meint, wenn er eine gute Schreibidee gefunden habe, dann könne er «hurti wegschauen».

Da ich auch nicht immer kodieren mag, schaue ich jetzt auch «hurti weg» und auf die Schreibprodukte. Wir bestücken mittlerweile das zweite Geschichtenbuch, und ich finde es gewaltig, was die Kinder in den vergangenen zwölf Schreibwochen geschrieben haben. Sogar über die Weihnachtstage sind einige in Moodle zu Gast und werkeln an ihren Texten. Bald erwartet mich eine Geschichte mit 5084 Wörtern für die Endredaktion. «Lasst euch ruhig Zeit» hat die Autorin ihren Mitarbeiterkindern geschrieben, aber soeben sehe ich, dass schon eine Rückmeldung vorliegt und sie zeigt, dass eine Auseinandersetzung stattgefunden hat:

Und weiter schaue ich «hurti weg» auf die Geschichtenbücher und freue mich dabei über die schönen Geschichten aber noch mehr darüber, dass wir mit dem  Freien Schreiben ein Setting gefunden haben, das einerseits der grossen Vielfalt an Voraussetzungen gerecht wird und andererseits ALLEN Kindern die Teilhabe an einem gemeinsamen, anspruchsvollen Gegenstand ermöglicht.

Jetzt schaue ich wieder in meine Daten…

Das praktische Projekt zur Weiterentwicklung des Settings zum Freien Schreiben ist mit Quartalsende vor zwei Tagen beendet. Damit endet nicht das Freie Schreiben, es gibt aber vorläufig eine Pause, die ich zum Auswerten der Daten nutze. Gut, habe ich dazu ein paar wenige Tage zwischen den Jahren. Im Moment kodiere ich gerade die Lerngespräche mit dem Ziel, eine thematische Struktur herauszuarbeiten, die ganz auf diesen Daten beruht. Das ist eine sehr interessante Arbeit, weil mit jedem neuen Lerngespräch die Vergleichbarkeit in und zwischen den Fällen steigt und sich nach und nach schöne Muster abzeichnen bzw. eben eine thematische Struktur, entlang derer ich die Analyse des dritten Design-Zyklus im Abgleich mit den Ergebnissen des Willenstests gestalte. Ich staune, wie anders mir jetzt diese Daten im Unterschied zum Zeitpunkt unmittelbar nach ihrer Erhebung vorkommen, wie sich ihre Bedeutung zu wandeln beginnt. Es ist eben immer anders, unter Entscheidungsdruck im Feld zu agieren als mit kühler Distanz zu planen, wenn die Last des Alltags abgefallen ist. Diese Zeitfenster zur Reflexion schätze ich als sehr kostbar ein, weil sie so rar sind und ich frage mich, ob es eine Möglickeit gäbe, sie im Alltag zu inszenieren, sie also ganz bewusst zu veranstalten.

Nicht alle Kinder nutzen die Ferientage zum süssen Nichtstun. Der regelmässige Blick in die Moodle-Lernumgebung zeigt, dass zwei Schreibcracks auch über die Weihnachtstage an ihren Texten weiterarbeitet haben. Mit bisher je über 3 000 Wörtern entstehen enorme Werke, die mit den MitschülerInnen auf ein überaus hörfreudiges und interessiertes Publikum treffen werden. Ich kann nicht genug bekommen von so grosser Schreiblust und ungebrochenem Engagement jenseits längst vergangener Fragen wie: «Wieviel muss man da schreiben?» oder «Ist das gut so, Frau Lüthi?». Denn mittlerweile entscheidet jedes Kind selber, unabhängig von der Schreibmenge, wann ein Text so weit abgeschlossen ist, dass er sich einer ersten Rückmeldung von MitschülerInnen stellen kann. Unabhängig davon, was die Daten noch ans Licht bringen werden, weiss ich schon jetzt, dass diese Entwicklung eine von mir erwünschte und gute ist…

Ich stecke gerade mitten in der Evaluation des zweiten Design-Zyklus’ zur Weiterentwicklung des Settings zum Freien Schreiben. Zum Verlauf des Entwicklungsprozesses habe ich mir die Frage gestellt, ob und inwiefern die Prinzipien des Volitionalen Design-Modells die SchülerInnen für die Bedeutung volitionaler Kompetenzen sensibilisieren. Bei vier der elf Kinder der Lerngruppe lassen sich in den Einträgen direkte Bezüge zu den eingesetzten Strategien erkennen, bei sechs Kindern indirekte, d. h., diese Kinder erwähnen die eingesetzten Strategien nicht expressis verbis, eine Verbindung lässt sich aber leicht herstellen. Lediglich einem Kind verschliesst sich der Zusammenhang zwischen Zielerreichung und Vorgehen zum Zeitpunkt der verordneten (schriftlichen) Reflexion.

Hinweise für eine bereits exzellente Fähigkeit, auf einer Metaebene über das Lernen nachzudenken, stecken in folgenden Einträgen:

Ich habe gelernt, dass es sich lohnt einmal ganz bei der Sache zu bleiben. Und wenn man mal eine Geschichte vorgelesen hat, fühlt man sich so glücklich und man ist dann richtig stolz auf sich.

Ich habe gelernt, dass Schreibideen nicht einfach aus dem Kopf kommen, dass meistens jemanden etwas so inspiriert hatte.

Wenn man eine Geschichte geschrieben hat, dann kann man sich immer grosse und kleine Komplimente machen.

Ich bin dann so vorgegangen: Ich habe mir gedacht, dass ich wenn ich es schaffe, ein Bonbon bekomme. Dann habe ich Gas gegeben.

Ich habe gelernt, dass es viel, viel, viel besser ist, wenn man eine lange Geschichte in Stücke teilt, denn da verliert der Autor weniger die Konzentration und die Hörer schlagen keine Wurzeln.

Jetzt schaue ich mir die «Stimmungslage» der Kinder an bzw., wie die Kinder die Instruktion wahrgenommen haben…

4.12.2011

Lerngespräche

Eine erste Serie an Lerngesprächen liegt hinter uns, genauer gesagt, von 21 Kindern sind 7 Kinder mit ihren Eltern bereits zu einem ca. 30minütigen Gespräch vorbeigekommen. Wir haben es nach diesem Ablauf gestaltet und werden an der nächsten Klassenkonferenz im Januar darüber beraten, inwiefern sich dieser bewährt hat.

Als wohltuend erlebe ich die  Haltung jener Mütter und Väter, die eine wertschätzende, vertrauensvolle und gelassene Einstellung gegenüber dem Lernen ihres Kindes zeigen. Bemerkenswert ist auch die Rückmeldung eines Vaters, der es toll findet, dass Kinder über ihr Lernen nachdenken und dazu zu Wort kommen können.

Diese Woche sind wir in den vierten und vorläufig letzten Design-Zyklus zum Freien Schreiben eingestiegen. Mittlerweile liegt mir mit den Ergebnissen von drei Willenstests, den Lerntagebucheinträgen von 3 Design-Zyklen, den 11 transkribierten Lerngesprächen, den lückenlos dokumentierten Schreibprozessen in Moodle, den Tonaufzeichnungen und transkribierten Rückmeldungen im Anschluss an die «Dichterlesungen» ein reiches Datenmaterial vor.

Parallel zum praktischen Projekt habe ich begonnen, die Design-Zyklen präzis entlang der Komponenten des VDM zu beschreiben, also die Analyse, das Design bzw. Re-Design, die Implementation und die Evaluation. Ich stehe gerade in der Darstellung der Evaluation des 2. Design-Zyklus.

Es ist anspruchsvoll, als Lehrerin einerseits das Setting zu leiten, andererseits als Forscherin die Daten auszuwerten. Was habe ich mir da nur zugemutet. Ich wünschte mir, ich könnte eine Auszeit nehmen, in der ich mich «nur» den Daten und dem Schreiben widmen könnte. Indes fordert mich die Dynamik der Praxis täglich neu heraus. Heute hat eine Dreiergruppe sich daran gewagt, das Setting für die nachkommende Lerngruppe der DrittklässlerInnen zu beschreiben mit dem Ziel einen Podcast zu erstellen, damit die Schreibschritte nicht nur gelesen, sondern auch gehört werden können. Eine Schülerin wollte videografieren. Die Ideen nehmen kein Ende, mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln…

Das Freie Schreiben ist jetzt zu einem Selbstläufer geworden, das heisst, die grössten Schwierigkeiten im Ablauf des komplexen Verfahrens sind überwunden. Ein dankbares Publikum sind die Kinder der dritten Klasse mit ihren Fragen und Rückmeldungen. Sie sorgen dafür, dass die Autorenkinder angespornt werden, ihre Geschichten zu einer Serie weiterzuentwickeln.

Im letzten Design-Zyklus vor einer ersten Pause wird es darum gehen, die acht Teilschritte mit den schreibenden Kindern zu Episoden in einem Podcast für nachfolgende Lerngruppen aufzubereiten. Ein Vorschlag aus der dritten Klasse gefällt mir mittlerweile so gut, dass ich ihn im letzten Schulquartal gerne umsetzen möchte: Es ist die Idee, den ViertklässlerInnen beim Schreiben in Moodle «über die Schulter» zu gucken, um so die Schreibschritte kennenzulernen.

Dass sich die Qualität der Rückmeldungen in Richtung echter Dialoge entwickelt hat, zeigen die folgenden Beiträge zur Geschichte «Gefahren und Schätze». Es ist den Kindern gar nicht bewusst, welche enormen Leistungen darin stecken, eine Geschichte präsentationsreif zu gestalten oder sie durch aufmerksames Zuhören zu würdigen: Zuhören ist «ein bisschen weniger Schule…»

Ich finde die Geschichte spannend, vor allem, du hast so gut ausgedacht. Denn, du hast so gut ausgedacht bei den Sibirischen Tigern und den Klassenpreis, wo sie gewinnen konnten hat Leon gewonnen oder Maxi? Leon. Ah. Und, sie waren auch sehr schlau gewesen und der Dieb, der hat glaub’s, hat der jetzt , der hat ALLE Hotelzimmer abgesucht? Mm, em, ja, ich habe da noch so eine, em, glaub’, ich weiss nicht wie ich, das könnt ihr euch so vorstellen, wie ihr es wollt, wie ihr euch das vorstellt.  Ah, gut.

Ich finde es lustig, dass du eine heisse Frau genommen hast. Vielleicht verlieben sie sich noch in sie.

Deine Geschichte ist wirklich toll und ich bin schon sehr gespannt auf morgen, weil morgen ist ja dann schon der zweite Teil, und, der erste Teil ist ja jetzt schon ein bisschen lange gegangen, also ich finde das so gut. Dann können wir ein bisschen mehr zuhören. Und du hast dir auch grad einen guten Teil eh gesucht, wo du grad aufgehört hast. Ich finde es auch sehr toll.

Em, ich finde es gut, dass die Geschichte ein bisschen länger geht, dann haben wir ein bisschen weniger Schule. Das finde ich cool.

Ich glaube, dem Maxi seine Mutter hat Angst gehabt, sie war glaub’ ich fast gestorben, weil sie Angst gehabt hat um den Mäxi, wenn der dort nach Sibiren geht. Diese Tussi und ich glaube, ihr Mann hat auch Angst gehabt. Und ich möchte das auch, dass wir auch einmal so mit allen eine Schulreise haben nach Sibirien. Das ist einfach toll in dieser Geschichte. Aber wer ist dann dieser Dieb, könntest du mir das sagen? (lacht laut): Morgen weißt du’s. Ich möchte es aber jetzt wissen.

Ich finde es toll, dass du ausgerechnet Sibiren genommen hast, du hättest ja auch Ägypten oder so was nehmen können, weil in Sibirien dort gibt es so schöne Tiger und das sind meine Lieblingsraubkatzen. Und ich glaube da die, da diese Tussi oder ich weiss doch nicht mehr wie die hiess,  das war Maxi seine Mutter, weil sie Angst hatte, die wo heiss war. Ich komme nicht draus, warum die heiss ist. War die in der Pfanne? (Grosses Gelächter) Das war meine Frage.

Gibt’s da was du erklären? Em, ich hatte, em drum zuerst, ich hatte drum zuerst  die Idee, dass eben dann Markus von ihr schwärmt, aber das kommt dann nicht vor. Aber du weißt schon, was das bedeutet? Du weißt das schon, wenn man sagt, eine heisse Frau? Aber der O., der kann ja das noch etwas umschreiben. Anna hat gesagt, das sei eine schöne Frau.  Zum Beispiel, ja. Attraktiv, ein Hingucker.

Du hast ja gesagt, es ist noch so eine Frau mitgekommen mit ihnen, bei der Reise. Wo ist dann die? Ist das die heisse Frau? Em, du meinst die Lehrkraft? Ja. Em, die Lehrkraft, das muss ja nicht eine Lehrerin sein, das kann auch ein Lehrer sein. Aber auch das hört ihr noch. Ja.

Wenn ich nach Sibiren könnte, würde ich die 3./4. mitnehmen und meine Familie. Und vielleicht von der 3./4. auch noch die Familien. Das wäre, da müssten wir fast zwei Flugzeuge  haben.


29.10.2011

Checkliste

Das praktische Projekt «Freies Schreiben» geht am kommenden Montag in die zweite Halbzeit. Hinter uns liegen zwei je vierwöchige Design-Zyklen.

Der erste hatte die Vorbereitung des Projekts zum Ziel und endete mit dem Design einer ersten Volitionalen Lernumgebung zum Freien Schreiben. Dieses enthält als Produkte das motivationale/volitionale Profil der Lernumgebung sowie der Kompetenzen, die Planung der angepassten Lernumgebung und einen Strategiepool von 24 volitionalen Strategien.

Der zweite Design-Zyklus beschreibt eine erste Anwendung mit der kleinen Lerngruppe, wobei sowohl die volitionalen Strategien zum Einsatz kommen als auch das Setting laufend angepasst wird. Alle Kinder werden nächste Woche sämtliche Teilschritte durchlaufen haben. Das ist deshalb eine spannende Voraussetzung, weil nun alle wissen, was mit dem Schreiben von der Schreibidee bis zur Textsammlung verbunden ist. Dieses Wissen wird die zu treffenden Entscheidungen im neuen Wochenplan beeinflussen.

Der dritte Design-Zyklus wird noch einmal eine Veränderung auf der motivationalen Ebene bringen. Wir sind nämlich vom Kindergarten eingeladen worden, entstandene Geschichten in der Adventszeit dort vorzulesen. Das ist so frühzeitig angekündigt auch deshalb ein spannendes Angebot, weil die Autorenkinder sich nun auf andere ZuhörerInnen einstellen werden und ihre Texte vermutlich dem jungen Publikum anpassen werden…

Parallel zur praktischen Arbeit schreibe ich Datenresumees. Am kommenden Dienstag werden sich die kurzen Einzelgespräche mit den SchülerInnen dazugesellen. Bei der Dokumentation der Design-Zyklen hinke ich noch tüchtig hinterher, heute habe ich gerade mal die Analyse der Lernumgebung entlang einer ARCS-Checkliste geschafft. Aber immerhin…

13.10.2011

Sie rückt voran…

… meine Masterarbeit, ja das tut sie. Obwohl es mir immer noch so vorkommt wie in der Kindheit, als ich den ungeliebten Reis auf dem Teller in vier Kreissegmente aufteilte und die dann nach und nach «abarbeitete». Jetzt arbeite ich die theoretischen Grundlagen ab. Das empfinde ich deshalb als Schwerarbeit, weil ich die Bausteine des Volitionalen Designmodells kurz und trotzdem präzis darstellen will und dabei viel Literatur in «knackige» Einheiten zu verdampfen versuche. Na ja, jetzt mag ich Reis und vielleicht werde ich diese Art des Reproduzierens auch einmal mögen.

Auf die Darstellung des praktischen Teils freue ich mich, er wird mir hoffentlich leichter von der Hand gehen. Und natürlich bin ich sehr neugierig, ob ich im Verlauf des Forschungsprozesses bei der Auswertung der vielfältigen Daten Entdeckungen mache, auf Unerwartetes oder Überraschungen stosse…

7.10.2011

Schülerin…

Meine Masterarbeits-Taten halten sich gerade in Grenzen, das schlechte Gewissen darüber aber auch. Ich habe seit heute die Bewertung der letzten Hausarbeit im Masterstudiengang auf meinem Prüfungskonto: Es macht mir Freude. Obwohl ich immer davon ausgegangen bin, dass es eine solide Arbeit ist, so hat mich in den letzten Tagen doch eine arge Unruhe gepackt und ich habe mich an einen Hinweis in den Fernstudienunterlagen vor gefühlten tausend Jahren erinnert, sinngemäss: Eine Fernstudentin ist eine geduldige Studentin. Das Warten wurde mir beinahe unerträglich diesmal, ich habe mir nur noch einen gelassenen Umgang mit einer möglichen Enttäuschung gewünscht und die nötige Schubkraft, um unbeirrt die letzte Etappe unter die Füsse zu nehmen. Denn geschafft ist es noch nicht und ich habe es auch nicht eilig, will diesen letzten Abschnitt auskosten so intensiv wie irgend möglich. Ich weiss, dass eine für mich sehr wichtige Zeit zu Ende geht. Es ist ein unbeschreibbar gutes Gefühl Schülerin zu sein…

5.10.2011

Datenresumees

Der Umgang mit Druck ist wohl eine Sache für sich. Dinge auf den letzten Drücker zu erledigen, das ist nun gar nicht mein Ding. Aber ohne «drückende» Rahmenbedingungen geht es wohl auch nicht. Oder wie sonst ist zu erklären, dass mir jetzt, am Ende dieses langen Studiums, da ich «nur» noch die Masterarbeit vor mir habe, strukturierende Rahmenbedingungen in Form von zu erledigenden Aufgaben und Abgabeterminen zu fehlen scheinen? Sich eine Art Hemmung bemerkbar macht, den Stier bei den Hörnern zu packen und wie bisher unverzagt und auch ein wenig respektlos voranzuschreiten? Es liegt nahe, der drohenden Aufschieberitis mit einem eigens erstellen «Fahrplan» zu Leibe zu rücken. Merkwürdigerweise geben nun aber nicht selbst auferlegte Zwischenetappen den Takt an, sondern bisher wohl eher vernachlässigte Bereiche…

So hat mich gestern der kurzfristig gefasste und ins Wochenprogramm eingeschobene Entschluss, das wunderbare Herbstwetter noch für einen Ausflug zu nutzen dazu angetrieben, die Datenresumees zum Freien Schreiben fertig zu stellen. Ich musste dazu eine Darstellungsform entwickeln, die eine Übersicht über die Daten von zwei Wochen gestattet, eine, die ich dem Anhang der Masterarbeit beifügen und auf die ich im Text mit Zitaten verweisen kann.

Und da für morgen Familienbesuch angesagt ist, bin ich gespannt, zu welchen «Masterarbeits-Taten» der mich inspirieren wird…

1.10.2011

Im Fluss…

Das hat nun gefühlte Jahre gedauert, bis ich mit Schreiben wieder loslegen konnte. Begonnen habe ich nach einer langen Vorbereitungs- und einer ersten praktischen Phase mit Ferienbeginn vor einer Woche. Ganz zaghaft geht es voran, aber es geht und ich sehe die ganze Arbeit vor meinem geistigen Auge. Ich gehe nun doch linear vor, nachdem ich mich erst mit Reflexionen aus der Praxis einstimmen wollte, stehe gerade am Ende der Darstellung des methodischen Vorgehens und vor dem theoretischen Teil, in dem es um die psychologischen Grundlagen zum Konstrukt Volition und dessen pädagogische Implikationen gehen soll.

Auf die Auswertung der Lerntagebucheinträge zu den volitionalen Strategien freue ich mich sehr. Ich werde jedem Kind der elfköpfigen Lerngruppe eine schriftliche Rückmeldung schreiben und verspreche mir davon einen erneuten Ansporn. In den ersten zwei Wochen nach den Herbstferien geht es mit einer neuen, individuellen Strategie weiter, eine weitere werden wir wieder gemeinsam bearbeiten: «Eine Rückmeldung geben».

Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Varianten des DBR-Ansatzes zeigt mir das grosse Potenzial dieses methodischen Vorgehens, vor allem in Verbindung mit der systematischen Gestaltung von Lernumgebungen durch Instructional Design. Einfach stark!

21.09.2011

Rückmeldungen

Dass die Rückmeldungen als DichterInnenlohn fungieren, zeigt die Anfrage eines Autorenkinds in Moodle:

«Liebe Frau Lüthi, könnte man einrichten, dass die Drittklässler auch bei meiner Geschichte zuhören können?»

Natürlich konnten wir das einrichten, sehr zur Freude aller Kinder. Es wurde eine lange und schöne Geschichte und  das Autorenkind wurde mit den Rückmeldungen reich belohnt. Hier ein paar besonders schöne Müsterchen:

Also, ich finde die Geschichte sehr schön, sie ist sehr lang und sie ist also ja eigentlich immer sehr spannend gewesen auch wenn sie eben sehr lang gewesen ist. Und ich finde auch, du hast dir sehr viel Mühe gegeben bei dem Vorlesen und auch wie du immer die Sprachen (direkte Rede, K.L.) gesagt hast. Das finde ich sehr gut und ich finde, du hast es sehr gut gemacht.

Ich finde deine Geschichte sehr toll. Und man hat gemerkt, dass du dir bei der Geschichte sehr Mühe gegeben hast und auch beim Vorlesen. Und du hast auch sehr gut die Sprache nachgemacht (direkte Rede, K. L.).

Wie sie schon gesagt haben, merkt man wirklich, dass du dir Mühe gegeben hast, weil es ist schwierig bei einer doch ziemlich langen Geschichte sie mit Spannung zu füllen. Wie du das geschafft hast und auch dann vorgetragen hast,  war sehr schön.

Also ich freue mich schon auf das nächste Abenteuer und ich finde die Geschichte sehr spannend. Ich würde am liebsten auch eine so spannende Geschichte erfinden.

Das Schreiben greift nun auch auf die Kinder der 3. Klasse über und nach den Herbstferien muss eine Lösung für diesen Eifer gefunden werden. Mit der Lerngruppe der ViertklässlerInnen schauen wir uns morgen an, wie die Rückmeldungen noch hilfreicher gestaltet werden können. Und wie das Schreiben gegen Ablenkungen und konkurrierende Zielsetzungen abgeschirmt werden kann, müssen wir auch noch genauer unter die Lupe nehmen. Derweil freue ich mich sehr darüber, wie angestrengt und ausdauernd die Kinder bei der Sache sind…

Das angepasste Setting zum Freien Schreiben ging heute mit einer Doppellektion im Unterricht in den vierten Tag. Es ist erstaunlich, welche Dynamik sich bereits entwickelt hat. Alle 11 Kinder haben sich für das Schreiben entschieden und sich voller Tatendrang an die Arbeit gemacht. In Bezug auf die 8 Schreibschritte bahnen sich Veränderungen an.

  1. Ich suche eine Schreibidee: An Schreibideen fehlt es den Kindern nicht. Kein einziges hat am Bleistift gekaut oder  ideenlos vor dem leeren «Blatt» am Bildschirm gesessen. Dies deutet darauf hin, dass es zum Anfangen zunächst einmal die Gelegenheit und Zeit zum Schreiben braucht.
  2. Ich lege los: Das Problem des kollaborativen Schreibens haben wir für zwei Lernpartnerschaften mit einem Moodle-Wiki gelöst. In der Schule sitzen beide am Gerät, eines schreibt, beide tauschen sich aus. Was genau hier gesprochen wird, entzieht sich meiner Beobachtung. Die Körperhaltungen und Schreibprodukte signalisieren aber, dass ein fachbezogener Austausch stattfindet und dass das auch Spass macht. Zuhause können die Kinder dann im Wiki ihren Text weiter bearbeiten. Solo-SchreiberInnen arbeiten mit dem Journal von Moodle.
  3. Ich möchte eine Rückmeldung: Heute kam die Idee auf, das grosse Geschichtenbuch nicht nur zum Lesen, sondern auch für persönliche Rückmeldungen zur Verfügung zu stellen. Mal sehen, ob das auch genutzt wird.
  4. Ich gebe eine Rückmeldung: Heute hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass inhaltlich weiterführende Rückmeldungen geäussert wurden. Diese dienen dem Ziel, den Text inhaltlich zu verbessern. Kritik wirkt sich nicht auf die Beurteilung aus. In die formative Beurteilung fliesst ein, DASS geschrieben wird. WIE geschrieben wird, ist natürlich ebenso wichtig. Da die Kinder verstanden werden wollen, legen sie viel Wert darauf, stimmige Texte zu schreiben.
  5. Ich überarbeite: Ob und wie Kinder gegenseitige Verbesserungsvorschläge auch umsetzen, muss noch genau erfasst werden.
  6. Ich arbeite an der Endredaktion: Die Endredaktion habe ich deutlich verkürzt. Konkret bedeutet das, dass ich formale Korrekturen weitgehend selber vornehme, dabei aber versuche, passgenau für jedes Kind Korrekturen einzufordern.
  7. Ich präsentiere meinen Text: Unverändert bleibt bisher die Autorenlesung. Es hat sich bewährt, dass die Kinder ihren Text im Sitzkreis vortragen, ich den aufnehme und diese Audiodatei im E-Portfolio zur Verfügung stelle, ebenso die im Anschluss an die Präsentation geäusserten Rückmeldungen.
  8. Ich sammle meine Texte: Neu werden die Texte in einem grossen Geschichten-Buch gesammelt, das heute den ersten Eintrag fand. Dieses Geschichtenbuch hat auch das Interesse der DrittklässlerInnen geweckt, die sich neugierig fragen, was wir hier treiben. Ein Mädchen kam heute zu mir und erzählte, es habe in der 2. Klasse auch schon eine Geschichte geschrieben. Mutti habe dann aber gesagt: Wirf die weg, die hat sowieso zu viele Fehler.

Hm, ja, die Sache mit den Fehlern ist immer wieder ein Thema. Ich mag sie, die Fehler und bekämpfe sie nicht. Wir sind schliesslich auf dem Weg und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen…

So, ab morgen geht es nach einer intensiven Vorbereitungsphase los mit dem angepassten Setting zum Freien Schreiben. Es steht nun auf dem Wochenplan, ein Schritt, den ich mir lange und gründlich überlegt habe. Eine längere und dokumentierte Anwendung in der Praxis wird zeigen, ob und wie sich diese Anpassung auf die Schreibleistungen einerseits und – das ist mir besonders wichtig – ob und wie sich diese Anpassung auf die volitionale Kompetenzentwicklung auswirkt.

Neben mir liegen 24 Strategien zur Lernunterstützung beim Freien Schreiben, gruppiert nach den Aspekten:

  • Das Lernen planen, überwachen und regulieren
  • Über die Bedeutung nachdenken
  • An sich und den Erfolg glauben
  • Die Stimmung beeinflussen.

Entsprechend dem durch den Willenstest ermittelten Kompetenzprofil habe ich nun für jedes Kind der Lerngruppe eine Strategie gewählt, die im Lerntagebuch dokumentiert wird und das Lernen beim Freien Schreiben unterstützen soll. Damit erfährt der Anspruch Beachtung, dass nicht nur interessiert, WAS gelernt wird, sondern auch WIE gelernt wird (Oelkers, 2011, S. 14). ¹

Mit diesem Vorgehen bin ich nun ganz nahe an den Lernvoraussetzungen des einzelnen Kinds. Gut, dass ich aus einem Strategie-Pool schöpfen kann, die gründliche Vorbereitung hält mir jetzt den Rücken frei für die individuelle Lernunterstützung. Dass diese für alle 11 Kinder der Lerngruppe und nicht nur für einzelne «förderbedürftige» Kinder gilt, gefällt mir.

¹ Selbstreguliertes Lernen: Idee und Wirklichkeit

Genau vor einer Woche habe ich mit den 11 Kindern meiner Lerngruppe den Willenstest zum Freien Schreiben durchgeführt, nachdem mir für alle Kinder eine schriftliche Einverständniserklärung zur Erhebung von Daten vorliegt. Es geht dabei nicht um eine exakte Messung, und es besteht schon gar nicht der Anspruch, ein psychologisches Profil zu erstellen. Die 24 Items zeigen eine Tendenz der volitionalen Kompetenzen der Kinder im Kontext des Freien Schreibens. Auffallend ist, dass die Selbstauskünfte der Kinder verblüffend gut mit meiner Einschätzung zusammenpassen. Und obwohl ich vorausgesehen hatte, dass die Bereiche «Volitionale Selbstwirksamkeit» und «Stimmungsmanagement» am ehesten im Wahrnehmungsberich der Kinder liegen, bin ich doch  überrascht, welch geringe Bedeutung die Konsequenzen-Kontrolle bei durchwegs allen Kindern im Vergleich zu den anderen Aspekten hat.

Bevor ich jedem Kind entsprechend seinen Testergebnissen im nächsten Wochenplan eine lernunterstützende Strategie zuteile, habe ich heute ein Item bzw. die dazu entwickelte Strategie mit der ganzen Lerngruppe bearbeitet, um die Antworten zu vergleichen und mögliche Muster zu identifizieren. Im Bereich «Über die Bedeutung nachdenken» galt es folgende Aussage zu beurteilen:

«Ich stelle mir vor, was meine Eltern oder MitschülerInnen von mir denken, wenn ich nicht schreibe.»

Bei drei Kindern trifft diese Aussage überhaupt nicht zu, bei sechs Kindern eher nicht und bei zwei Kindern teils, teils. Diese Antworten sind insofern bemerkenswert, als es bei obligatorischen Aufgaben des Wochenplans sehr wohl eine Rolle spielt, welche Haltung Eltern und Peers den Aufgaben gegenüber haben und  diese somit an der Bestimmung der Relevanz und indirekt für das Interesse der Kinder mitbeteiligt sind. Gut nachvollziehbar ist dieses Antwortmuster vor dem Hintergrund, dass das Freie Schreiben bisher bewusst NICHT Bestandteil des Wochenplans war und somit nicht in die dort dokumentierte formative Beurteilung einfloss. Wer also sehr «utilaristisch» dachte, konnte sich unbestraft dafür entscheiden, nur «wichtige» Aufgaben zu lösen.

Trotzdem haben die meisten Kinder auch «freiwillig» geschrieben, die meisten nach dem Motto «Erst die Pflicht, dann die Kür» bzw. erst dann, wenn der Wochenplan erledigt war. Und weil dort die Aufgaben meistens auf drei Niveaus angeboten werden, konnte man sich stets gut ausgelastet an diesen abarbeiten.

Dieses Vorgehen soll sich ab nächster Woche bis zu den Weihnachtsferien dahingehend ändern, als das Freie Schreiben Bestandteil des Wochenplans wird, als Alternative besteht ein Angebot an weniger komplexen Aufgaben und Übungen zum Textverständnis und zur Sprachbetrachtung. Weil sich dadurch vermutlich die Relevanz des Freien Schreibens für die Kinder verändern wird, wollte ich vorher noch erfassen, welche Bedeutung die Kinder dem Freien Schreiben beimessen. Dazu habe ich allen Kindern die Strategie «Ein offenes Ohr…» vorgelegt. Hier geht es darum den Eltern sowie MitschülerInnen folgende Frage zu stellen:

«Nenne mir einen Grund, warum ich Freie Texte schreiben sollte.»

Die Antworten lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Es gibt Kinder, denen bedeutet das Freie Schreiben JETZT etwas und es gibt Kinder, die sehen eine Bedeutung für die ZUKUNFT.

Aktuelle Bedeutung äussert sich in folgenden eigenen und Aussagen von MitschülerInnen:

  • Es gibt gute Geschichten und es macht Spass.
  • Wir machen anderen eine Freude.
  • Ich will eine Freude machen.
  • Ich habe lustige Ideen.
  • Die anderen können dann zuhören
  • Man ist gut gelaunt und es macht Spass
  • Dann fliegen nicht immer so viele Ideen in meinem Kopf herum, ich kann sie deponieren. Es ist auch spannend und ich stelle mir vor, ich bin mitten drin.
  • Andere haben beim Zuhören eine Idee zum Schreiben. Wir lernen.
  • Ich mache anderen ein Geschenk.
  • Man kann den anderen eine Freude machen.
  • Ich habe sehr viele Ideen.
  • Ich lerne damit sehr viel und das macht mir eine Freude.

Eine Bedeutung für die Zukunft äussert sich in folgenden Aussagen:

  • Es hilft, dass ich später besser schreiben kann.
  • Später weiss ich, wie die Wörter gehen.
  • Ich finde, da lerne ich wie die Wörter schreiben.
  • Wir können uns verbessern im Deutsch und lernen mehr über das Schreiben.
  • So lernen wir mehr Wörter kennen, wie man sie schreibt.
  • Dann können wir besser schreiben.
  • Man lernt schreiben und es richtig zu schreiben und später Geschichten zu schreiben.
  • Man lernt schreiben.
  • Wir lernen schreiben.
  • Es hilft sehr in der 8. und 9. Klasse, wo du mehr am Computer machen musst.
  • Wir werden im Deutsch besser.
  • So weiss man wie man die Wörter schreibt.
  • So lernt man die Wörter kennen.

Nun fällt mir auf, dass Kinder, deren Testergebnisse auf eine bereits hohe volitionale Kompetenz schliessen lassen, dem Freien Schreiben AKTUELL eine Bedeutung beimessen und zwar so, dass sie alle JETZT SPASS daran HABEN. Mit anderen Worten: Das deutet darauf hin, dass antizipierte Relevanz bzw. Lernen auf Vorrat die aktuelle Motivation nur wenig zu unterstützen vermag…

Das bestehende Setting zum Freien Schreiben habe ich entlang der ARCS-Komponenten und im Hinblick auf die Optimierung motivationaler Rahmenbedingungen analysiert. Zur Ermittlung des Kompetenzprofils beim Freien Schreiben gehört ferner die Erfassung volitionaler Kompetenzen der Lernenden. Dazu habe ich 24 Items konstruiert, wobei ich mich an den aktuellen Operationalisierungen des Willentstests der FernUni orientiert habe. Hier werden vier Hauptfaktoren unterschieden:

  1. Konsequenzen-Kontrolle
  2. Volitionale Selbstwirksamkeit
  3. Meta-Kognition und
  4. Stimmungsmanagement

Um die motivationale Lernumgebung mit den volitionalen Kompetenzanforderungen zu verbinden, habe ich diese vier Faktoren den ARCS-Komponenten zugeordnet und bei der Konstruktion der 24 Items die Kompetenzen von drei bereits erfolgreichen SchülerInnen als Referenz herangezogen.

  1. Aufmerksamkeit erlangen – Metakognition
  2. Relevanz des Lehrstoffs vermitteln – Konsequenzenkontrolle
  3. Erfolgszuversicht – Volitionale Selbstwirksamkeit
  4. Zufriedenheit, Befriedigung – Stimmungsmanagement

Nun liegen erste Rohdaten vor, in einem nächsten Schritt geht es darum, jedem der 11 Kinder der Lerngruppe für die Zeitdauer einer ersten Lerneinheit entsprechend dem Wochenplan-Rhythmus von 14 Tagen eine lernunterstützende Strategie zuzuteilen. Diese volitionale Strategie bezieht sich auf die vier oben genannten Bereiche, im Unterricht verwenden wir folgende Bezeichnungen:

  1. Das Lernen planen, überwachen und regulieren
  2. Über die Bedeutung nachdenken
  3. An sich und den Erfolg glauben
  4. Die Stimmung beeinflussen

Im Moment gehe ich davon aus, dass ich die vier Bereiche systematisch abarbeite, das bedeutet, dass ich für alle Kinder im Bereich «Das Lernen planen, überwachen und regulieren» eine Strategie anbiete. Ich frage mich, ob und wenn ja von welchen Kindern diese Strategien als lernförderlich wahrgenommen werden und wie sie sich auf den Schreibprozess und die Schreibprodukte auswirken…

Bei der Vorbereitung des Unterrichtsprojekts «Freies Schreiben» frage ich mich natürlich auch, welcher Stellenwert dem selbstregulierten Lernen als Aspekt von Unterrichtsqualität beigemessen wird. Bei Brägger und Posse (2007b) werde ich fündig: Selbstreguliertes Lernen stellt einer von vierzig Qualitätsbereichen dar, interessant scheint mir der Hinweis, dass «…selbstständiges Lernen vor allem in der Kindheit Voraussetzung, Mittel und Ziel der Instruktion sein muss» (2007b, S. 200).

Folgende Schlüsselindikatoren pflücke ich mir einmal heraus (2007b, S. 201f.):

  • «Partizipation: Lehrerinnen und Lehrer beteiligen die Lernenden an der Auswahl der Projektthemen.
  • Selbstmanagement: 
    • Schülerinnen und Schüler übernehmen in der Schule vielfältige (selbstständig organisierte) Verantwortungsbereiche und Aufgaben.
    • Schülerinnen und Schüler lernen, sich erreichbare Ziele zu setzen, planen und reflektieren ihre Arbeit und setzen dafür geeignete Verfahren und Formen ein (Projektskizzen und -pläne, Mindmap, Lerntagebuch…).
    • Schülerinnen und Schüler stärken ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung durch Herausforderungen, die bis an ihre Leistungsgrenze reichen, aber bewältigt werden können.
    • Sie konzipieren und planen besondere individuelle Leistungen über längere Zeit.
    • Individualität: Die individuellen Lernwege der Schülerinnen und Schüler werden respektiert und gefördert. Hierzu bieten die Lehrenden Möglichkeiten, die eigenen optimalen Lernstrategien zu entdecken und zu entwickeln.
  • Selbstlernprinzipien: Das selbstständige Lernen wird systematisch eingeübt.»

Nicht schlecht, dieser Katalog an Anforderungen, dabei sind das noch nicht alle. Und die Praktikerin fragt sich, wie konkret denn diese umgesetzt werden können. Als Ideen zur Umsetzung wird auf Lerntagebücher, veränderte Lernarrangements und auf innovative Unterrichtsmethoden gesetzt, «…die ein selbstbestimmtes, handlungsorientiertes oder interdisziplinäres Lernen anregen» (2007b, S. 205). Und weil mir das immer noch nicht reicht, stöbere ich in der Motivationspsychologie und finde bei Spinath (2005) eine interessante Parallele zum bereits eingeschlagenen Pfad: Zur Förderung motivationaler Kompetenzen empfiehlt sie den Einsatz von Lerntagebüchern. Genau das habe ich vor, wobei es mir um die Förderung volitionaler Kompetenzen durch die Anwendung gezielter Strategien im Kontext des Freien Schreibens geht. Dabei soll der Lernprozess im Lerntagebuch dokumentiert werden. Eine besondere Herausforderung sehe ich darin, das Lerntageuch so vorzustrukturieren, dass es nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen wird.

Mal sehen…

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