Ich halte kurz inne in meinen Vorbereitungen für das Mentorat «Differenzieren und Erweiterte Lehr- und Lernformen» und überlege mir: Was könnte für Studierende im Hinblick auf das Praktikum hilfreich sein? Wie lassen sich die theoretischen Grundlagen mit der Praxis verschränken?
Da ich selber gar nicht gerne «auf Vorrat» lerne und durch das Fernstudium in gewisser Weise schon sehr «eigenwillig» beim Lernen geworden bin, gehe ich einmal davon aus, dass ein Problembewusstsein für die Heterogenität von Lerngruppen und der Anspruch zum Differenzieren durch Erfahrungen beim eigenen Lernen und Unterrichten entsteht. Und dies ist ja nur eine Seite der Medaille, denn genau so wichtig wie das Entwickeln von differenzierten und passgenauen Lernsettings finde ich den Wert der Gemeinsamkeit, des Austauschs, des «Es-einmal-so-Machens-wie-es-alle-machen» bzw. das Einhalten von Konventionen und bewährten «Abmachungen».
Ich gehe weiter davon aus, dass sich Studierende an dem orientieren, was sie selber an Unterricht erlebt haben, im positiven wie im negativen Sinn. Um also den eigenen Methodenkoffer mit vielfältigen Werkzeugen zu bestücken, bedarf es der Methodenvielfalt im Mentorat und der eigenen Motivation, im Praktikum verschiedene Lernformen einzusetzen.
Zu den drei prominenten Lehr- und Lernformen in der Primarschule «Frontalunterricht, Planarbeit und Werkstattunterricht» bereite ich gerade eine Werkstatt mit 18 Lernangeboten vor. Dazu biete ich quer zu allen Unterrichtsfächern Beispiele an, die auf der Folie des Such- und Orientierungsrasters von Klafki und Stöcker analysiert werden sollen.
Dabei fällt mir mein erster Werkstattkurs ein, an dem ich mich voller Begeisterung an die Entwicklung von Lernaufgaben machen wollte. Die Kursleitung hatte auch eine Werkstatt zum Thema «Werkstattunterricht» vorbereitet, deren Angebote ich sehr selektiv bearbeitete und ruck zuck den Schlusstest mit Bravour bestand, sehr zur Enttäuschung der Kursleitung und meiner Verwirrung darüber. Weil das viele Teilnehmende so handhabten, kam es bald zu einer Gesprächsrunde, in der wir darauf hingewiesen wurden, doch bitte sorgfältiger zu arbeiten und liebevoller bei den Angeboten zu verweilen.
Was für ein Missverständnis und welch betretenes Schweigen bis sich eine Teilnehmerin beherzte und unser flottes Vorwärtsdrängen nicht als «Erledigungsmentalität» stehen lassen wollte, sondern unseren unbändigen Drang, jetzt doch endlich selber loslegen zu wollen zum Ausdruck brachte, was die Kursleitung doch als Erfolg ihrer Bemühungen sehen könne…
Das leuchtete ein und fortan wurde mit grossem Engagement gearbeitet, es war für alle ein sagenhaft ergiebiger Kurs.
Die Werkstatt für die Studierenden entwickle ich also im vollen Bewusstsein dafür, dass es mir ähnlich gehen könnte wie jener Kursleitung, dass die einzelnen Angebote nicht passgenau die Bedürfnisse der eigenen Situation im Praktikum treffen. Dennoch halte ich die Angebote bereit, und sollten die Studierenden Flügel kriegen und vor lauter eigenen Ideen diese verschmähen, werde ich sie leichten Herzens darin unterstützen…


