Wir machen es ja ein bisschen wie die Schnorchels aus der Lektüre «Lilli, Flosse und der Seeteufel» von Cornelia Funke, indem wir unsere Kaulquappe zu Beobachtungszwecken in einem grossen Glas halten. Dass das nicht ganz artgerecht ist, deutete eine Schülerin kürzlich an, als sie ihrem Rossnagel einen Stein ins Glas legen wollte, damit er sich verstecken könne. Und auch in diesem Tagebucheintrag kommt eine berechtigte kritische Haltung zum Ausdruck, dass den Gästen bei uns nicht so wohl sein könnte, wie sie es verdient haben.

Tagebuch
Meine Tage laufen gleich, aber alle zwei Tage geht es hektisch zu: Zuerst schüttet man mich in einen Kübel. Dort drin dreht sich das Wasser im Kreis. Nach etwa einer Minute Wasserkarussellfahren, kommt das Doofste: Es kommt ein löchriges Ding, das mich fängt und aus dem Wasser zieht!!! Was für eine Gemeinheit. Ich zapple wie wild. Schliesslich komme ich wieder in mein Glas zurück. Aber warum eigentlich? Ich komme ja wieder in das Glas zurück. Ich kann’s nicht anders sagen: Menschen sich unmöglich!!!

Dem kann nichts entgegengesetzt werden, nur die authentischen Tagebucheinträge der Kinder…

Meine Kaulquappe

Er heisst Stubsi. Bei Stubsi sieht man das Skelett. Stubsi ist ungefähr 2 ½  cm lang. Er hat kleine Abschaberzähne. Seine Augen sind klein. Bei der Schwanzflosse hat er ein wenig Punkte.

Die Entwicklung der Kaulquappe ist merkwürdig. Der Schwanz ist durchsichtig und die Kacke ist eine Schnur, die die ganze Zeit an der Kaulquappe hängt, bis sie lang und länger ist, und dann fällt sie ab. Wenn man genau hinguckt, dann sieht man den Jungfroschkörper unter der Haut. Howkoy macht im Moment gerade nichts ausser fressen, fressen, fressen! Ein Paar Kaulquappen sind gestorben, aber meine nicht. Ich habe gerade beobachtet, dass Howkoy seine eigene Kacke gefressen hat. Ähh, eklig. Zum Glück wechseln wir das Wasser, sonst wäre das erst recht eklig und die Kaulquappen würden sterben.

Meine Kaulquappe frisst Brennnesselblätter. Meine Kaulquappe schwimmt immer ganz schnell im Glas. Dann wird sie wieder langsamer und dann legt sie sich auf den Boden und frisst Brennnesselblätter. Meine Kaulquappe hat zwei Namen: Özi und Schneller.

Meine jetzige Kaulquappe ist grösser als die vorherige Kaulquappe, weil meine vorherige Kaulquappe ist gestorben. Meine Kaulquappe heisst Moritz. Moritz hat schöne schwarze Augen. Diese Kaulquappe frisst viel mehr als die vorherige und ist aktiver als die vorherige. Ich kann sie fast nicht beobachten, sie bewegt die ganze Zeit das Maul. Sie hat unten am Bauch noch ein bisschen weiss, das schimmert und vorne am Maul gegen den Bauch ist sie auch so weiss oder durchsichtig. Sie hat am ganzen Körper gelbe Punkte und sonst ist sie schwarz.

Meine Kaulquappe hat einen Namen. Meine Kaulquappe heisst Mirmor. Mirmor hat ganz viele goldene Punkte und ganz winzige Augen. Mirmor isst Brennnesselblätter. Wenn Mirmor isst, dann sieht man, dass er einen kleinen Mund hat. Die Augen haben einen Kreis, dann kommt weiss und dann kommt noch der schwarze Punkt. Mirmor (eigentlich jede Kaulquappe) ist lang.

Meine Kaulquappe
heisst: Bimmä Ötzi Silva Do Santos Junior,
frisst und schwimmt gerne,
kann schnell schwimmen,
hat goldene Punkte,
ist halb so gross wie ihr Schwanz.
Bei der Schwanzflosse sieht man die Knochen.

Wenn meine Kaulquappe schwimmt, dann gleitet sie immer wieder nach unten auf den Boden. Die Kaulquappe hat orange Punkte. Sie hat ein grosses Maul und hervorstehende Augen. Sie frisst Brennnesselblätter. Sie ist ziemlich fett. Am Schwanz hat die Kaulquappe schwarze Punkte. Sie heisst Maxli und ist sehr wild. Sie macht immer das Maul auf und zu und da hängt immer was raus.
Sie schwimmt immer rauf und runter und wenn sie mal schwimmt, dann sehr schnell. Sie hat einen sehr langen Schwanz. Und sonst liegt sie einfach im Zeug rum und ruht sich aus. Ihr Kopf sieht aus wie ein Schlangenkopf.

Meine Kaulquappe Lilli bleibt manchmal stehen, als wäre sie tot. Aber wenn man ein bisschen am Glas rüttelt, schwimmt sie wieder davon. Manchmal schwimmt Lilli mit dem Schwanz unten auf den Boden. Die Kaulquappen fressen Brennnesselblätter. Meine Kaulquappe hat goldene Punkte auf ihrem Körper. Die Kaulquappen bewegen den Schwanz um zu schwimmen. Wenn Lilli frisst, geht sie an die Oberfläche und knabbert an den Brennnesselblättern. Wenn man mit einer Lupe schaut, sieht man die kleinen Äuglein.

Name: Jime
Lebensraum: Gurkenglas
Futter: getrocknete Brennnesselblätter
Hobby: fressen und dösen
Die Kaulquappe hat so goldene Punkte. Und wenn sie fressen will, holt sie ganz schnell ein Stück Brennnesselblätter an der Oberfläche, um es dann unten zu verspeisen.

Die Kaulquappen fressen Brennnesselblätter. Die Kaulquappen haben einen langen Schwanz. Mit dem Schwanz sind sie sehr schnell. Meine Kaulquappe heisst Goldi, weil sie goldene Punkte hat. Er hat auch noch ein wenig einen durchsichtigen Magen. Goldi ist ungefähr 2 ½ cm gross.

Mein Mister Skaunttrupper Feldschlössli ist sehr faul. Auf einmal bewegt er sich wieder.
Steckbrief:
Name: Feldschlössli
Nachname: Skaunttrupper
Merkmal: Golden gepunkteter Oberkörper, der Schwanz ist fast durchsichtig, er hat schwarzgoldene Augen
Nahrung: Brennnesselblätter

Meine Kaulquappe heisst Schlupfi. Bei Schlupfi sehe ich den Mund und die Augen. Bei Schlupfi hat es Flecken auf der Haut. Sie frisst Brennnesselblätter. Meine Kaulquappe ist 4  Zentimeter.

Meine Kaulquappe heisst Flitzer. Sie heisst Flitzer, weil sie fast den halben Tag herumflitzt. Jetzt (denke ich) frisst sie Algen vom Glas. Flitzer hat orange Augen und goldene Flecken auf der Haut. Zu Fressen bekommt er Brennnesselblätter. Wir wechseln ihnen alle zwei Tage das Wasser.

Mimo hiess meine Kaulquappe. Sie ist leider am Sonntag gestorben. Ich vermisse sie ein bisschen. Ich kriegte einen neuen. Er heisst Mimo Junior. Mimo Junior schwimmt immer ganz gerade hoch und lässt sich dann nach unten sinken. Mimo Junior hat überall goldene Punkte. Ich beobachtete gerade, wie er Brennnesselblätter frass. Sein Mund bewegte sich abwechselnd nach vorne und hinten. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze ist er ungefähr 2 ½ cm lang. Seine braunen Augen stehen ein wenig nach oben aus. Mit seinem Schwanz bewegt er sich fort. Mimo Junior macht lange dünne Kacke. Er schwimmt manchmal hoch und rammt die Brennnesselblätter.

Klötzi schwimmt mit dem Schwanz. Es sieht fast so aus, als hätte sie es eilig. Seine Nahrung besteht aus Brennnesselblättern. Ich finde Klötzi mag Brennnesselblätter. Klötzi kann gut theatern, weil er immer, wenn ich ihn hole, sich tot stellt. Das finde ich cool an ihm.

Jim sieht die Kaulquappe in meinem Gurkenglas. Jim ist voller goldener Punkte und ist ungefähr 2 ½ cm lang. Jim geht regelmässig hoch an die Wasseroberfläche Luft holen und Futter fressen. Jim schwimmt hauptsächlich mit dem Schwanz. Sobald Jim die vorderen Beinchen wachsen, lassen wir ihn frei.

Sie ist sehr wendig. Sie frisst Brennnesselblätter. Sie hat goldene Punkte. Sie kackt weisse Schnüre.

Er heisst Rubi. Rubi hat am Mund so ein spitziges Stäbchen, mit dem er das Futter aufnimmt. Rubi frisst gerne Brennnesselblätter. Rubis Augen stehen nach vorn. Rubi hat goldene Punkte. An der Schwanzflosse sieht man die Knochen. Rubi hat in seiner Kindheit noch Kiemen.

Meine Kaulquappe heisst Marmor. Marmor finde ich, ist eine lustige Kaulquappe, weil er immer so lustig herumschwimmt und dann plötzlich bewegt er sich nicht mehr, dann will er schlafen, denke ich. Marmor isst immer Brennnesselblätter, die schmecken ihm sehr. Marmor sieht sehr schön aus. Er hat so goldene Punkte. Dann hat er so coole Augen. Dann hat er noch einen lustigen Schwanz. Der sieht auch toll aus. So ist meine Kaulquappe.

Meine Kaulquappe heisst Kuaul. Und wenn sie ein bisschen grösser ist, heisst sie Kuaki. Sie schläft gerade, denn ich habe mit der Lupe geschaut. Sie frisst Brennnesselblätter. Wir haben einen Rossnagel in ein Glas gesteckt, und jetzt ziehen wir sie auf. Und wenn sie grösser ist, werden wir sie freilassen. Sie frisst so komisch. Sie macht komische Bewegungen mit dem Mund, wenn sie frisst.

2.05.2012

10 Tage später…

27.04.2012

Bambustag

Heute hatten wir Bambustag, will heissen schulinterne LehrerInnenfortbildung. Den Namen hat unser Sohn seinerzeit kreiert, als wir ihm erklärten, dass seine Eltern beide einen SchiLF-Tag hatten. Der Besuch im Tropenhaus Wolhusen am Nachmittag brachte mir diese Wortschöpfung wieder in Erinnerung. Schön war es dort, ein sinnliches Erlebnis zum Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen. Dort will ich wieder mal hin…

22.04.2012

April, April…

So schön…

21.04.2012

Es wuselt im Eimer

Nun hat es doch noch geklappt: Es haben sich zwar noch nicht alle Kaulquappen befreit, aber viele wuseln schon munter umher und schaben an den getrockneten Brennnesselblättchen.

Klick mich, ich bin ein Filmchen.

19.04.2012

Es tut sich was…

… im Laichballen. Eine Kaulquappe hat sich aus der Eihülle befreit und flitzt durchs Wasser, wenn ich ans Gefäss klopfe. Andere arbeiten noch daran und schwänzeln in der Gallertmasse herum, bei einigen sind die Kiemenbüschel rechts und links des Rossnagelkopfs noch oder schon zu erkennen. Ich gucke jetzt jeden Tag vorbei, denn irgendwann werden die Eihüllen aufgefressen sein und dann muss Nachschub an vegetarischem Futter her.

16.04.2012

Noch ein Versuch

Der Laichklumpen aus dem Gras hat sich im Wasser mit einem grauen «Bart» überzogen. Jetzt habe ich einen dritten Versuch unternommen, an frischen Laich heranzukommen und mich an eine Stelle erinnert, die ich in meiner Junglehrerinnenzeit vor über zwanzig Jahren einmal aufgesucht hatte. Mit dem Auto schwer erreichbar, da jenseits der Bahngleise, zieht sich unterhalb des Waldrands ein langer feuchter Graben mit vereinzelten Wasserlachen, die bei wärmerem Wetter eintrocknen. Vielleicht, so meine Überlegung, würde ich in diesem Schattloch doch noch fündig werden. So bin ich also bei garstig nasskaltem Wetter gestern Nachmittag ausgerückt und habe tatsächlich einen Laichballen gefunden. Um dem Frühling etwas nachzuhelfen, steht der Eimer mit dem Laich nun im Klassenzimmer. Ich hoffe, dass das nun etwas wird und die Kaulquappen dort bald munter herumwuseln, bevor sie nach den Frühlingsferien ihr neues Domizil beziehen.

13.04.2012

Gekippt?

Das hatte ich bisher noch nie: Der vom Teich mitgebrachte Laich hat sich nicht weiterentwickelt, das Wasser roch faulig und die entstehenden kleinen und länglichen Kaulquappen lagen reglos auf dem Grund des Eimers. Also habe ich mich noch einmal zum Weiher aufgemacht und mir den dortigen Laich angeguckt. Dort traf ich genau die gleiche Situation an: Die Laichballen hatten sich aufgelöst, aber es hingen keine fressenden Kaulquappen dran, wie ich das sonst jeweils beobachten konnte. Als ich mit einem Schilfstängel im Laich rührte, bildeten sich Blasen, es roch faulig und auf dem sandigen Teichgrund lagen jede Menge regloser Kaulquappen. Ich kann mir das nicht erklären.

Um doch noch zu Kaulquappen für die Schulstube zu kommen, habe ich jetzt zwei faustgrosse Laichballen mitgenommen, die neben dem Teich im Gras gelegen haben. Die riechen frisch. Ob bereits Wasserfrösche unterwegs sind? Ich hoffe, dass sich die Eier gut entwickeln. Das Thema lässt sich zwar sicher vielfältig und mit der DVD von Res Gnehm «Amphibien – Ein Leben im Wasser und an Land!» haben wir exzellentes Bild- und Arbeitsmaterial. Richtige Rossnägel zu beobachten wäre  aber eindrücklicher.

Für heute tröste ich mich mit dem Prototyp der Stoffversion für die nächste Werkarbeit.

…heisst unser NMM-Thema nach den Frühlingsferien. Noch sind die Kaulquappen gut «eingepackt». Für den Unterricht werden wir ein wenig Laich ins Schulzimmer holen und beobachten, wie die «Rossnägel» ausschlüpfen. Das solltest du zu Hause nicht nachmachen (Froschlaich ist geschützt), wir werden die Kaulquappen auch wieder genau dort aussetzen, wo wir sie geholt haben, sobald ihnen die Vorderbeinchen wachsen. Bis dahin gibt es viel Interessantes zu entdecken…

29.03.2012

Ein bisschen…

fühlt es sich komisch an, das Studium abzuschliessen. Die Masterarbeit gilt mit dem heutigen Tag als eingereicht.

Was bleibt, ist unser Schreibprojekt, das kein Strohfeuer war. Ich staune über den ungebrochenen Eifer, mit dem die Kinder  nachgerade schuften und darüber, dass sie dabei nie klaghaft sind. Als ich Lollipop kürzlich mitteilte, das Redigieren seines Textes hätte mich viel Zeit gekostet, meinte er schelmisch: Dann haben wir ja beide viel zu tun gehabt. So ist es, wobei bei diesem Schüler fast ausschliesslich die Zeichensetzung ein Thema war bzw. die Kommas nach der direkten Rede. Bei einer Textlänge von 16 A4-Seiten fordert mir diese Textkosmetik dann auch volitionale Strategien ab, für die mich aber die lustigen Inhalte und Schreibfortschritte der Kinder wieder entschädigen.

Für das neue Schuljahr überlege ich nun, ob und wie das Volitionale Designmodell, nach dem ich das Freie Schreiben weiterentwickelt habe, auch andere Bereiche anleiten könnte. Vielversprechend scheint mir das Angebot von Alternativen, der Einsatz volitionaler Strategien und durch deren Reflexion im Lerntagebuch die Orientierung an den Denkprozessen der SchülerInnen. Für die Gestaltung der Integrativen Förderung bleibt in Absprache mit der Heilpädagogin das anspruchsvolle Schreibsetting bestehen, was bedeutet, dass die jetzigen Dritt- und nächstjährigen ViertklässlerInnen ins Verfahren eingefuchst werden.

17.03.2012

Seit gestern…

… liegt sie mir nun auch in Buchform vor, die Masterarbeit, und ich nutze sie, um zusammen mit den Kindern der Schreibgruppe bis Ende Schuljahr die Schreibschritte zu kurzen Podcastepisoden zu vearbeiten. Sie ist zu einer beachtlichen Datensammlung angewachsen, aus der wir uns nun bedienen können. Die Kinder der dritten Klasse geben unermüdlich schöne Rückmeldungen, die als «DichterInnenlohn» sehr gerne gehört werden. Schon bald werden sie in die Fussstapfen der jetzigen Vierteler treten und die neuen Dritteler mit ihren Geschichten beschenken.

Das Masterstudium nähert sich unaufhaltsam dem Ende, nach und nach ziehe ich mich aus der Moodle-Gemeinschaft der FernUni zurück und fädle mich wieder ganz in die Rolle der Lehrerin ein. Ich freue mich darauf und lasse die Kräfte und Ideen «arbeiten», denn das tun sie unermüdlich und unaufgefordert. Mal sehen, wohin die Reise führt…

… setze ich den nächsten Teil an diesem letzten Februartag im Schaltjahr fort. Schnee und Eis vergehen, ebenso die letzten Tage beim Fertigstellen der Masterarbeit. Ich habe sie eben zum Binden gebracht, nachdem ich sie heute Morgen letzten Retuschen unterzog. Vom Desktop ist sie mittlerweile verschwunden, damit ich nicht in Versuchung komme, wieder und wieder nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Wenn alles planmässig verläuft, werde ich sie am 21. März 2012 einreichen.

Was mache ich jetzt?

Mich auf den Frühling freuen und durch Wald und Feld streifen.

Nach einer vierwöchigen Schreibpause und vier Design-Zyklen im Projekt «Freies Schreiben» liegt nun schon ein neuer Schreibblock von 14 Tagen hinter uns, in dem sich alle SchülerInnen der elfköpfigen Lerngruppe für das Freie Schreiben entschieden haben. Eine Schülerin wird nach der Sportwoche auf das alternative Postenangebot zugreifen, sie hat ihren Rhythmus in der Abwechslung gefunden. Heute hatte ich Zeit, Lollipop bei der Arbeit zuzuschauen. Obwohl das Tastaturschreiben erst im fünften Schuljahr systematisch antrainiert wird, hatte er beide Hände auf der Tastatur, die Körperhaltung und das Klappern der Tasten signalisierten eine hohe Konzentration. Ich durfte also nicht stören, genoss diesen Anblick und dachte mir, in welche Abenteuer die Helden seiner Geschichte wohl diesmal gerade verstrickt waren. Im Flur lief Ali Lali auf und ab und studierte den sechzehnseitigen Text zum Vorlesen ein. Zwischendurch kam sie rein, weil sie eine Textpassage noch geändert haben wollte, und gemeinsam nahmen wir die Korrektur dann vor und legten die neueste Fassung ins Portfolio ab. Dann gab sich Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Lollipop, weil er sich für die Präsentation einer Geschichte vorbereiten wollte. Ob er eigentlich immer noch Schriftsteller werden wolle, habe ich ihn gefragt. Ja, das wolle er schon noch sehr gerne, Sportjournalist könne er sich auch gut vorstellen. Damit er den Faden beim nächsten Mal leichter wieder finde, höre er jetzt mitten im Satz auf und nicht nach einem Punkt. Das finde ich bemerkenswert und deshalb…

19.02.2012

Auf der Zielgeraden

Nun befindet sich die Master-Arbeit im Lektorat. Dann wird sie überarbeitet werden, gedruckt und gebunden und dann tschüss und weg! Ich bin gespannt, in welchem Kleid sich mein Baum dann zeigen wird…

6.02.2012

Blaue Stunde

Und kriecht die Kälte noch so unter die Wäsche auf die Haut, mag das Wetter noch so Kapriolen schlagen: Die Tage werden länger, und meine Master-Arbeit nähert sich dem Abschluss. Ich freue mich…

29.01.2012

Winterruhe

24.01.2012

Seit heute…

… steht sie nun drin im Prüfungsportal, meine Masterarbeit, unter dem Stichwort «Abschlussarbeit»,

… läuft also der Countdown,

… gibt es kein Zurück, sondern nur ein Vorwärts,

… schön, diese letzte Etappe bis zum nächsten Neuanfang…

Die Kinder der Lerngruppe «Freies Schreiben» haben sich mittlerweile zu echten SpezialistInnen entwickelt, wenn es darum geht, sich beim Schreiben bei Laune zu halten. Natürlich verwenden sie den Begriff «volitionale Strategien» nicht. Aber sie haben mir ihren «Trick 77» verraten, was sie unternehmen, damit ihnen das Schreiben Freude bereitet. Unter den wirklich beeindruckenden Strategien befindet sich auch diese:

«Ich denke immer, dass, wenn ich die Geschichte fertig habe, dann habe ich dann Freude.»

Darin unterscheidet sich diese Schülerin nun gar nicht von mir, denn ich stelle mir auch schon meine Freude vor, wenn ich die Masterarbeit fertig vor mir liegen haben werde. So weit ist es heute und morgen aber noch nicht. Ich kodiere gerade die Lerntagebucheinträge des dritten Design-Zyklus’. Und das ist eine wirklich schöne Arbeit, weil ich ganz in diese Daten versinken kann und meine SchülerInnen in ihrer wunderbaren Vielfalt vor mir sehe. Ein Schüler hat sich Gedanken dazu gemacht, womit er sich nach den einzelnen Schreibschritten belohnen könnte. Und er meint, wenn er eine gute Schreibidee gefunden habe, dann könne er «hurti wegschauen».

Da ich auch nicht immer kodieren mag, schaue ich jetzt auch «hurti weg» und auf die Schreibprodukte. Wir bestücken mittlerweile das zweite Geschichtenbuch, und ich finde es gewaltig, was die Kinder in den vergangenen zwölf Schreibwochen geschrieben haben. Sogar über die Weihnachtstage sind einige in Moodle zu Gast und werkeln an ihren Texten. Bald erwartet mich eine Geschichte mit 5084 Wörtern für die Endredaktion. «Lasst euch ruhig Zeit» hat die Autorin ihren Mitarbeiterkindern geschrieben, aber soeben sehe ich, dass schon eine Rückmeldung vorliegt und sie zeigt, dass eine Auseinandersetzung stattgefunden hat:

Und weiter schaue ich «hurti weg» auf die Geschichtenbücher und freue mich dabei über die schönen Geschichten aber noch mehr darüber, dass wir mit dem  Freien Schreiben ein Setting gefunden haben, das einerseits der grossen Vielfalt an Voraussetzungen gerecht wird und andererseits ALLEN Kindern die Teilhabe an einem gemeinsamen, anspruchsvollen Gegenstand ermöglicht.

Jetzt schaue ich wieder in meine Daten…

Das praktische Projekt zur Weiterentwicklung des Settings zum Freien Schreiben ist mit Quartalsende vor zwei Tagen beendet. Damit endet nicht das Freie Schreiben, es gibt aber vorläufig eine Pause, die ich zum Auswerten der Daten nutze. Gut, habe ich dazu ein paar wenige Tage zwischen den Jahren. Im Moment kodiere ich gerade die Lerngespräche mit dem Ziel, eine thematische Struktur herauszuarbeiten, die ganz auf diesen Daten beruht. Das ist eine sehr interessante Arbeit, weil mit jedem neuen Lerngespräch die Vergleichbarkeit in und zwischen den Fällen steigt und sich nach und nach schöne Muster abzeichnen bzw. eben eine thematische Struktur, entlang derer ich die Analyse des dritten Design-Zyklus im Abgleich mit den Ergebnissen des Willenstests gestalte. Ich staune, wie anders mir jetzt diese Daten im Unterschied zum Zeitpunkt unmittelbar nach ihrer Erhebung vorkommen, wie sich ihre Bedeutung zu wandeln beginnt. Es ist eben immer anders, unter Entscheidungsdruck im Feld zu agieren als mit kühler Distanz zu planen, wenn die Last des Alltags abgefallen ist. Diese Zeitfenster zur Reflexion schätze ich als sehr kostbar ein, weil sie so rar sind und ich frage mich, ob es eine Möglickeit gäbe, sie im Alltag zu inszenieren, sie also ganz bewusst zu veranstalten.

Nicht alle Kinder nutzen die Ferientage zum süssen Nichtstun. Der regelmässige Blick in die Moodle-Lernumgebung zeigt, dass zwei Schreibcracks auch über die Weihnachtstage an ihren Texten weiterarbeitet haben. Mit bisher je über 3 000 Wörtern entstehen enorme Werke, die mit den MitschülerInnen auf ein überaus hörfreudiges und interessiertes Publikum treffen werden. Ich kann nicht genug bekommen von so grosser Schreiblust und ungebrochenem Engagement jenseits längst vergangener Fragen wie: «Wieviel muss man da schreiben?» oder «Ist das gut so, Frau Lüthi?». Denn mittlerweile entscheidet jedes Kind selber, unabhängig von der Schreibmenge, wann ein Text so weit abgeschlossen ist, dass er sich einer ersten Rückmeldung von MitschülerInnen stellen kann. Unabhängig davon, was die Daten noch ans Licht bringen werden, weiss ich schon jetzt, dass diese Entwicklung eine von mir erwünschte und gute ist…

Ich stecke gerade mitten in der Evaluation des zweiten Design-Zyklus’ zur Weiterentwicklung des Settings zum Freien Schreiben. Zum Verlauf des Entwicklungsprozesses habe ich mir die Frage gestellt, ob und inwiefern die Prinzipien des Volitionalen Design-Modells die SchülerInnen für die Bedeutung volitionaler Kompetenzen sensibilisieren. Bei vier der elf Kinder der Lerngruppe lassen sich in den Einträgen direkte Bezüge zu den eingesetzten Strategien erkennen, bei sechs Kindern indirekte, d. h., diese Kinder erwähnen die eingesetzten Strategien nicht expressis verbis, eine Verbindung lässt sich aber leicht herstellen. Lediglich einem Kind verschliesst sich der Zusammenhang zwischen Zielerreichung und Vorgehen zum Zeitpunkt der verordneten (schriftlichen) Reflexion.

Hinweise für eine bereits exzellente Fähigkeit, auf einer Metaebene über das Lernen nachzudenken, stecken in folgenden Einträgen:

Ich habe gelernt, dass es sich lohnt einmal ganz bei der Sache zu bleiben. Und wenn man mal eine Geschichte vorgelesen hat, fühlt man sich so glücklich und man ist dann richtig stolz auf sich.

Ich habe gelernt, dass Schreibideen nicht einfach aus dem Kopf kommen, dass meistens jemanden etwas so inspiriert hatte.

Wenn man eine Geschichte geschrieben hat, dann kann man sich immer grosse und kleine Komplimente machen.

Ich bin dann so vorgegangen: Ich habe mir gedacht, dass ich wenn ich es schaffe, ein Bonbon bekomme. Dann habe ich Gas gegeben.

Ich habe gelernt, dass es viel, viel, viel besser ist, wenn man eine lange Geschichte in Stücke teilt, denn da verliert der Autor weniger die Konzentration und die Hörer schlagen keine Wurzeln.

Jetzt schaue ich mir die «Stimmungslage» der Kinder an bzw., wie die Kinder die Instruktion wahrgenommen haben…

Kategorien