Für meine Lerngruppe im Rahmen der Integrativen Förderung bereite ich gerade die Lernangebote vor. Hilfreich finde ich das didaktische Konzept von Klafki und Stöcker mit ihrem Ordnungs- und Suchraster. Hier gibt es 6 Differenzierungsaspekte:

  1. Stoffumfang/Zeitaufwand
  2. Komplexitätsgrad
  3. Anzahl der notwendigen Durchgänge
  4. Notwendigkeit direkter Hilfe/ Grad der Selbstständigkeit
  5. Art der inhaltlichen oder methodischen Zugänge/ der Vorerfahrungen
  6. Kooperationsfähigkeit

Auf der Grundlage des Zahlenbuchs 3 stelle ich zum Themenbereich «Preise», «Geldbeträge» und «Rechnen mit Geld» Übungsformate zusammen, welche die 11 DrittklässlerInnen in Lernpartnerschaften bearbeiten sollen. Kriterien für die Organisationsform sind,

  • dass SchülerInnen Gelegenheit erhalten, sich über das Lernen auszutauschen und
  • dass die Lehrerin Gelegenheit hat, dem 4. Differenzierungsaspekt «Notwendigkeit direkter Hilfe/ Grad der Selbstständigkeit» Rechnung zu tragen.

Da ich die Kinder noch nicht kenne, bin ich sehr gespannt auf ihre Problemlösestrategien bzw. darauf, auf welcher Ebene sie sich die Zusammenhänge erschliessen. Für die Unterstützung der konkreten Aneignungs- bzw. Handlungsebene steht allen Spielgeld zur Verfügung. Auch sind alle Aufträge so angelegt, dass der Lösungsweg im Zentrum steht. Oft fällt es auch ausgezeichneten RechnerInnen nicht leicht, ihre Vorgehensweise zu explizieren. Es ist aber wichtig, den Kindern «in den Kopf» schauen zu können um ihnen angemessene Unterstützung oder weiterführende Aufgaben anbieten zu können.

So, nun sind die Arbeiten für M3 und M4 in einer ersten Fassung geschrieben und dürfen nun etwas schlummern, bevor ich mich wieder mit ihnen befasse. Und es geht erst einmal wieder ganz praktisch zur Sache hier, will heissen, in Bezug auf ICT nach der grossen Schulhausreinigung alles wieder auf Vordermann bringen. Wir haben jetzt in jedes Klassenzimmer neue Tischchen erhalten, solche mit Kabelkanälen. Ist das eine feine Sache, der ganze Kabelsalat lässt sich verstecken. Abgesehen davon gilt es jetzt auch, kleine Projekte im neuen Schuljahr anzudenken. Eine Kollegin hat um ein neues «Produkt» gebeten, und so haben wir uns heute zusammengesetzt und gemeinsam geguckt, was sich machen liesse. Als wir durch die alten Forenbeiträge  und durch die in den Schreibkonferenzen dokumentierten Überarbeitungsprozesse zum Freien Schreiben scrollten, staunten wir nicht schlecht über die Qualität dieses den Präsenzunterricht begleitenden Onlinelernens.

Nun richte ich also die Lernumgebung für meine Klasse ein und freue mich, wenn ich im Verlauf des nächsten Schuljahres die Möglichkeiten und Grenzen von Blended Learning in der Primarschule weiter erforschen kann. Mit der Lernplattform findet das Lernen gewissermassen hinter verschlossenen Türen und von der Lehrerin verwaltet statt, damit ist es vergleichbar mit der  Intimität eines Schulzimmers. Ich schätze und brauche diesen Schonraum, gleichzeitig möchte ich gerne mehr aus dem Schulalltag von anderen Klassen erfahren. Dabei interessieren nicht die herausragenden Projekte, sondern die unspektakulären, soliden und alltäglichen Unterrichtshandlungen…

Die Hausarbeit zu Modul 4 im Masterstudiengang eEducation stellt sich als echte Herausforderung dar. Ich entwickle ein Evaluationskonzept zum Freien Schreiben mit computergestützten Schreibkonferenzen. Dabei orientiere ich mich am Evaluationszyklus von Brägger und Posse und an den praktischen Vorschlägen aus dem Fundus der Aktionsforschung von Altrichter und Posch. In den vergangenen Tagen habe ich meine Texte immer wieder verworfen, umgekrempelt, neu aufgesetzt und wieder verworfen. Auf dem Desktop tummeln sich mittlerweile drei Fassungen. So eine Schlacht hatte ich bisher noch nie. Schreiben heisst eben Überarbeiten, das sollte mir nach der Lektüre von Spitta und Kochan ja jetzt klar sein. Ich freue mich, wenn der Durchbruch dann geschafft ist…

Etwas anderes, ganz Unerwartetes hat sich beim Schreiben nebenher ereignet: Vor meinem geistigen Auge beginnt sich das Unterrichtsarrangement bereits zu verändern. Dabei habe ich ja noch gar nichts evaluiert, ich schreibe ja lediglich auf, wie ich bei einer Evaluation vorgehen möchte. Und jetzt scheint mir, als habe sich die Praxis bereits verändert, obwohl ich tatenlos am Schreibtisch sitze. Merkwürdige Vorgänge…

So, bevor ich mich der Hausarbeit in M4 «Freies Schreiben mit computergestützten Schreibkonferenzen – ein Evaluationskonzept zur Weiterentwicklung eines Lernarrangements» zuwende, hier noch einmal abschliessende Reflexionen zum Podcasting.

Produzierende: Wenn ich einleitend zu dieser Reflexion geschrieben habe, dass sich die SchülerInnen nicht in erster Linie für das digitale Produkt interessierten, dann lässt sich diese Beobachtung möglicherweise damit erklären, dass die Lehrerin als Podcastproduzentin auftritt. Dieser Entscheid begründet sich wie oben bereits erwähnt mit den mangelnden technischen Vorerfahrungen und dem Wunsch, erst einmal alleine zu experimentieren. In einem nächsten Schritt könnten nun die SchülerInnen als ProduzentInnen an ein Podcast-Projekt herangeführt werden. Ein solches Vorhaben verlangt aber ebenfalls sorgfältige Überlegungen zu den didaktischen Zielen,  zusätzliche Betreuungsressourcen und die Koordination der Zusammenarbeit. Es übersteigt damit den Aktionsradius einer Lehrerin und gewinnt institutionellen Charakter, vor allem dann, wenn medienpädagogische Ziele nicht durch ehrenamtliches pädagogisches Personal umgesetzt werden sollen.

Inhalt: Genau wie es Korner und Reinhardt (2008, S. 37) für Podcasts auf Hochschulniveau empfehlen, lautete auch beim Podcast «Schneckenpost» das Motto: weniger ist mehr. Die Gestaltung des Vortrags entlang von fünf Punkten sorgte für eine überschaubare Struktur und zwang die SchülerInnen dazu, die Versuche nicht ausufern zu lassen, sondern Forschungsfrage, Vorgehen und Beobachtungsergebnisse  festzuhalten.

Technisches Format: Die Wahl für das Enhanced-Format hatte die Vorteile, dass zusätzlich zu den Tondokumenten die  Fotos und Zeichnungen der Kinder gewürdigt werden konnten. Der Wert von Eigenproduktionen kann angesichts der Verlockung von copy & paste durch das Internet nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Kinder haben beim Vortrag mit ihrer Mundharmonika sogar eigene Jingles eingespielt. Bei den Episoden wollte ich dann die von GarageBand zur Verfügung gestellten Jingles in ihrer Wirkung ausprobieren. Ein Nachteil bei der Wahl des Enhanced-Formats stellte sich dahingehend heraus, als bei allen Geräten in der Schule der Quicktime-Player installiert werden musste und einige Kinder das zuhause trotz schulischer «Fernsteuerung» nicht schafften und die Episoden also nur in der Schule hören und sehen konnten. Auch war es mir unmöglich, Teile des mit Movie Maker gemachten Videos «Wie eine Weinbergschnecke frisst» in das Podcast-Programm «GarageBand» zu importieren, was ich dann so löste, dass ich einige Screenshots einbaute.

Gestaltung des Inhalts: Das Design der Episoden ist durch eine stark strukturierte Vortragsform gekennzeichnet und durch die Aufforderung an die ZuhörerInnen, die Lernaktivität im WebQuest zu lösen. Fast alle Lerngruppen wählten eine persönliche An- und Abmoderation, was dem Hörprodukt eine persönliche Note verleiht. Die Länge von ca. zwei Minuten wird das junge Zielpublikum zeitlich nicht überfordern. Mit dem Erscheinen der acht Podcast-Folgen ist der Podcast «Schneckenpost» vorläufig abgeschlossen. Würde Podcasting zu einem dauerhaften Teil z.B. der schulischen Öffentlichkeitsarbeit, müsste über eine neue inhaltliche Orientierung und regelmässige Erscheinungsfrequenz nachgedacht werden.

Didaktisches Ziel: Der Podcast «Schneckenpost» stellt einerseits ein Ergebnis der vertieften Auseinandersetzung mit einer Fragestellung dar, andererseits dient er als Lernressource im Lernarrangement eines WebQuests. Diese doppelte didaktische Zielsetzung  wurde mit dem digitalen Produkt erreicht: Im rund zweiminütigen Lernkonzentrat eines Kurzvortrags stecken enorme Lernleistungen der SchülerInnen, die nur durch klare Zielsetzungen und unterstützende Instruktionen im Lernprozess erreicht werden konnten. Die Planung mit dem ARCS-Modell war hilfreich, um das bestehende Handlungswissen im Beruf zu explizieren. Dies hat zur nötigen Sicherheit beigetragen, den offenen Lernprozess der SchülerInnen gelassen zu begleiten. Auch die Dimensionen der «Inneren Differenzierung» und des «Sozialen Austauschs» werden  durch das entwickelte Lernarrangement berücksichtigt. So entstanden die Lernpartnerschaften für die Erarbeitung des Kurzvortrags in einem gemeinsamen Aushandlungsprozess mit dem Ziel, dass niemand «übrig» blieb. Ohne Einflussnahme meinerseits entstanden Lerntandems, die sich aus leistungsschwachen und leistungsstarken SchülerInnen zusammensetzten. Für die Kinder war und ist diese natürliche Heterogenität zu keinem Zeitpunkt ein Lernhindernis. Es war beeindruckend, wie sie zum Teil grosse örtliche Distanzen überwanden, um sich am schulfreien Nachmittag für ihr Projekt zu verabreden. So wollte eine Gruppe unbedingt von einem Grossvater filmen lassen, wie eine Weinbergschnecke frisst, damit sie das nachher auch berichten konnten (vgl. «So frisst die Schnecke», von Stefan und Michi). Ob sich das WebQuest in seinem beabsichtigten Einsatz an der 1./2. eignet, wird sich noch zeigen müssen. Für KollegInnen steht es als Beispiel jederzeit einseh- und in seinem Aufbau nachvollziehbar  bereit und kann so im Sinn eines eigenen ICT-Projekts oder für ein integrativ-differenziertes Lernarrangement im eigenen Unterricht eingesetzt, nach- oder besser gemacht werden.  Damit würde es auch seine Funktion auf institutioneller Ebene erfüllen.

In der Hausarbeit zu M3 im Masterstudien «Bildung und Medien – eEducation» bin ich gerade beim Reflexionsteil angekommen. Ich gestalte ihn entlang von Korner und Reinhardt und ihrer Wegleitung zur Erstellung eines Podcast-Konzepts und habe mir heute Gedanken gemacht zur Zielgruppe.

Zielgruppe: Podcasting in der Schule zu betreiben, entspringt nicht einem unmittelbaren Bedürfnis der PrimarschülerInnen meiner Klasse. Dies war daran abzulesen, dass sich die Kinder erst einmal nicht besonders für den Vortrag als «Konserve» interessierten, sondern sich auf die Live-Präsentationen freuten und vor allem auf die Lernaktivitäten, die sie sich dazu ausgedacht hatten. Die Erstellung von digitalen Produkten hatte durch die Einführung eines E-Portfolios in diesem Schuljahr zwar einen zentralen Stellenwert, auch bildeten Audio-Aufnahmen im Unterricht keineswegs einen Störfaktor, sondern gehörten einfach dazu und wurden von den Kindern auch erbeten, wenn sie wieder ein Produkt vorzuweisen hatten. Dennoch standen die unmittelbaren und sinnlichen Erfahrungen mit den Schnecken im Terrarium für Kinder an erster Stelle. Das Potenzial von Podcasting zeigt sich denn auch nicht in erster Linie an der Zielgruppe der SchülerInnen, sondern darin, dass mit der Veröffentlichung des erstellten Produkts geschlossene Räume wie das E-Portfolio oder das Klassenzimmer verlassen und andere Zielgruppen erreicht werden können. Mit dem Podcast «Schneckenpost» konnten Eltern, Verwandte und «Schulfreunde» sowie die MitschülerInnen der 3./4. Klasse erreicht werden. Darüber hinaus sollen die Episoden an den demnächst stattfindenden Übergabegesprächen für den Klassenwechsel den KollegInnen vorgestellt und als Gesprächsgrundlage eingesetzt werden.

Brägger und Posse haben schon Recht, wenn sie schreiben, dass schulische Vorhaben oftmals damit enden, wenn sie im Schulalltag umgesetzt wurden. Solche Entwicklungen verlaufen dann nicht zyklisch, sondern verlieren sich.

So habe ich es bisher auch gehalten und war mir dabei nicht bewusst, dass sich Entwicklungszyklen mit Evaluationszyklen veschränken müssen, um daraus Konsequenzen für neue Vorhaben zu ziehen. Es ist wohl einfacher, neue Dinge anzureissen als sie auch wirklich zu Ende zu bringen.

Insofern ist es ganz gut, wenn uns das Studium dazu zwingt, in einer schriftlichen Arbeit die Entwicklung eines Medienprodukts zu reflektieren. Das ist zwar noch keine Evaluation im Sinn von Brägger und Posse, aber doch schon einmal ein guter Ausgangspunkt für weitere Projekte. Eine solche Rückschau auf ein schulisches Projekt findet im Moment mit dem Thema «Mit Pod- und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten – Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Pod-/Vodcasts» gerade statt. Beim Abfassen der Arbeit wird mir nun bewusst, welches Wissen in ein solches Vorhaben eingeflossen ist und wie stiefmütterlich dieses Wissen oftmals behandelt wird: Stiefmütterlich deshalb, weil das Wissen gar nicht expliziert, also auch nicht sicht- und diskutierbar gemacht wird.

Umso mehr freue ich mich, dass ich durch das Studium hier auf einen Blog gestossen bin, der sich mit Podcasting in der Grundschule beschäftigt und zum Einstand ein schönes Beispiel zeigt, wie frau oder man es machen könnte…

6.07.2010

Verspätet…

Beim Schreiben kommt es mir gerade ein bisschen so vor wie beim Vorbereiten und Unterrichten: Wie oft habe ich erlebt, dass mich ein Thema ganz gefangen nahm und während einer Unterrichtsepoche alles im Zeichen eben dieses einen Themas stand. Das führte jeweils dazu, dass Arbeits- und Freizeit ineinanderflossen, überall begegneten einem passende Beiträge, Fundstücke, Bilder, Spiele oder was auch immer. Es kam aber auch regelmässig vor, dass etwas ganz Bestimmtes fehlte. Wenn für eine Weihnachtsaufführung auf der Bühne in irgend einer Form ein Feuer her musste, liess sich  die innere Vorstellung  gerade nicht umsetzen, der ganze Markt schien sich gegen einen verschworen zu haben. Natürlich wurde trotzdem immer eine Lösung gefunden. Und hinterher, ja hinterher entdeckte man dann plötzlich an jeder Ecke eine Möglichkeit, die auch noch gepasst hätte.

So ist es mir heute beim Schreiben ergangen. Die Literaturrecherche zum Thema Podcasting war eigentlich schon abgeschlossen, die Gliederung geschrieben, der Podcast ist schon länger im Kasten und das Schreiben des Konzepts scheint schon ewig her.  Und jetzt entdecke ich  von Korner und Reinhardt eine  wunderschöne Wegleitung zum Erstellen von Podcast-Konzepten (34-42). Sie richtet sich an Dozierende an Hochschulen, ich finde aber, sie passt auch ganz gut für mich als Lehrerin. Und es macht auch nichts, dass sie jetzt noch verspätet eintrudelt, denn «Nach dem Podcast ist vor dem Podcast»…

5.07.2010

Carpe diem

An dieses Bild werde ich mich erinnern, wenn mich der Alltag wieder haben wird und mich fragen, warum ich wie meine Zeit (nicht) genutzt habe…

Den Begriff der kollektiven Kompetenz lese ich zum ersten Mal bei Brüsemeister. Er bezieht sich nicht auf die Kompetenz eines Individuums, sondern auf das Ergebnis durch kollektive Abstimmung und kollektive Handlungsfähigkeit der verschiedenen AkteurInnen im Mehrebenensystem Schule, wodurch auch die Qualität der Schule gesteigert werden soll. Die Educational Governanceforschung fördert hingegen zu Tage, dass sich diese kollektive Kompetenz an der antagonistischen Kooperation zwischen der professionellen Gemeinschaft der LehrerInnen und der Bildungspolitik bricht,  in die nach Brüsemeister ein tiefgreifendes Nichtverstehen eingelagert ist:

«Es ist aus Sicht der Lehrkräfte überhaupt nicht einsichtig, was Berichtssysteme, die systematisierte Folgeerscheinungen ermöglichen sollen, mit ihrem Unterricht zu tun haben; denn in ihm gibt es keine systematischen Entscheidungen im dem Sinne, dass an dokumentierte frühere Entscheidungen angebunden wird, sondern es muss flexibel – angesichts einer Verantwortung gegenüber variablen Reaktionen von Schülern, die nicht dokumentiert sind, – situativ reagiert werden» (Brüsemeister, 2010, 143).

Was an LehrerInnen als Veränderungsresistenz, oftmals gar als Eigenwilligkeit und Sperrigkeit gegenüber Neuerungen kritisiert wird, erscheint hier als systemeigene, sinnvolle Handlungslogik und damit in einem ganz anderen Licht. Und es stellt sich mir die Frage, wie LehrerInnen damit umgehen, wenn  Kompetenzen bei SchülerInnen durch den Aufbau von externen Evaluationsinstanzen an ihnen vorbei erfasst werden…

1.07.2010

Wusel-Stunden

Ich will sie rasch festhalten, die Gefühle am Ende eines Wuselschulmorgens und eines Schuljahres. Denn es sind gute Gefühle.

Den Tagesanfang machten drei Mädchen, die ihre Freien Texte vortrugen. Bei allen habe ich den Schreibprozess mitverfolgt, und diese Prozesse sowie die Ergebnisse erfüllen mich mit grosser Freude, weil sie unterschiedlicher nicht sein könnten und die Einzigartigkeit und Vielfalt zum Ausdruck bringen. Eine Schülerin und ein Schüler äusserten ihr Bedauern, dass sie die Fortsetzung einer Geschichte nun nicht mehr erfahren würden, weil sie in eine neue Klasse kommen. Aber wir werden unsere Geschichten ja nun regelmässig auf dem Klassenblog veröffentlichen, so dass Interessierte immer noch teilhaben können an den Schreibprodukten. Einmal mehr bin ich auch beeindruckt von den wertschätzenden Rückmeldungen der Kinder an ihre KlassenkameradInnen.

Dann haben wir heute aufgeräumt, d. h. die Hefte und Zeichnungen verteilt und in den mitgebrachten Taschen verstaut. Und obwohl es der letzte Schulmorgen war, nutzten ihn die SchülerInnen ganz intensiv zum Arbeiten: Für die Schnecken hatten einige Kinder Gefässe für den Rücktransport an ihren Fundort im Freien mitgebracht, zwei Terrarien gehen samt und sonders in die Ferien, weil die Weinbergschnecken und auch die Schnirkelschnecken Eier gelegt haben und man die schliesslich  nicht einfach aussetzen kann. Dann wurden die angefangenen Schneckengeschichten fürs Leporello fertig geschrieben, die Podcasts im WebQuest angehört und Rückmeldungen geschrieben, und wer gar nichts mehr angefangen hatte, verlustierte sich an einer ungelösten Seite im Math-Übungsheft.

Kurzum: Als uns eine Fotografin besuchte, um Eindrücke aus dem Schulalltag aufzuschnappen und damit das Leitbild zu illustrieren, fand sie einen Wuselbetrieb vor. Wir liessen uns darin aber nicht beirren, die Dame hat sich ganz wunderbar in den Unterricht eingefädelt und meinte am Ende, sie habe viele spannende Momente festhalten können. Darüber freue ich mich, aber am meisten darüber, dass ich den Besuch in unserem offenen Betrieb überhaupt nicht als störend empfand.

Und dann ist ja noch die Karte, mit der mir ein Elternpaar für den «unermüdlichen Einsatz» dankt. Ich glaube, sie ist es, die mir für den heutigen Tag Flügel verleiht…

Beim Sichten von Literatur im Hinblick auf eine der bevorstehenden schriftlichen Arbeiten «Freies Schreiben mit computergestützten Schreibkonferenzen – Ein Evaluationskonzept zur Weiterentwicklung eines Unterrichtsarrangements» bin ich bei Moser auf den Begriff der Micky-Maus-Forschung gestolpert. So also kann Aktionsforschung auch gesehen werden. Während ich über diesen Begriff herzhaft lachen musste, wird jene Art Praxisreflexion, die nicht über die Praxisreflexion und das Alltagsverstehen hinausführt, von «richtigen Wissenschaftlern» belächelt. Gewünscht sind Aktionsforschungsprojekte «…welche sich dem Spannungsverhältnis zwischen Theorie- und Praxissystem stellen und bewusst auch über die Kooperation von (wissenschaftlichen) Forscher/innen und Praktiker/innen Anschlüsse an beide Systeme herzustellen versuchen» (Moser, 2008, 45). Moser spricht denn auch von Aktionsforschung, «…wenn Wissenschaft und Praxis gemeinsam ein Projekt entwickeln und durchführen» (2008. 41). Sehr gerne hätte ich als Praktikerin externe wissenschaftliche Begleitforschung. Nur kenne ich keine Gefässe, die so etwas ermöglichen, viel mehr erfahre ich Wissenschafts- und Praxissystem strukturell als zwei getrennte Bereiche: Da sind einerseits die LehrerInnen an ihren Schulen, die unter permanentem Handlungsdruck agieren, wodurch Unterricht mitunter auch «schmuddelig» abläuft. Der Blick in Forschungsabteilungen an Pädagogischen Hochschulen lässt ganz spannende Forschungsprojekte erkennen, in denen LehrerInnen allenfalls als Forschungsobjekte im System fungieren, von einer aktivforschenden Rolle im Prozess sind sie aber ausgeschlossen. Im Zuge der Bedeutung von Evaluationen an Schulen wären «wissenschaftliche Handreichungen» nicht nur auf der Ebene der Schulleitungen, sondern für die einzelnen LehrerInnen aber dringend geboten.

Im Buch «Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht» von Altrichter und  Posch habe ich entdeckt, dass Aktionsforschung auch anders definiert werden kann. Hier werden «forschende LehrerInnen» alles andere als belächelt, mehr noch, die Autoren äussern ihr Gefallen daran, dass forschende LehrerInnen «…sich im Gesamten gesehen nicht die Initiative aus der Hand nehmen…» (2007, 12) lassen. Mir gefällt diese Sichtweise ausserordentlich gut, sowie das ganze Buch, das aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpft und mir  für die Entwicklung eines Evaluationskonzepts nun auch zur Orientierung dienen soll. Toll finde ich diesen Ansatz auch deshalb, weil die Erforschung des Unterrichts sich nicht nur an LehrerInnen, sondern auch an Schulleitungen richtet. Schule wird so von «unten her» gedacht und rückt die Unterrichtsentwicklung in den Mittelpunkt, was letztlich auch Schulentwicklung bedeutet. LehrerInnen kommt damit eine ganz aktive und gestaltende Rolle zu, was könnte mir besser gefallen…

25.06.2010

Gartenkonzert

Es war wunderbar heute zur frühen Abendstunde. Elisabeth hatte zum Gartenkonzert eingeladen. Die Orchestergruppe spielte zum Schuljahresende auf, begleitet vom Familienensemble. Auf dem Programm stand ein «Chrüsimüsi» an Musikstücken, die Gastgeberin verglich es mit der Vielfalt an Pflänzchen in einem schönen Garten. Ich habe es von A bis Z genossen, mich in den bequemen Sessel zurückgelehnt und den Klängen  gelauscht…

Bald steht die Besprechung der Beurteilungsberichte an. Als Grundlage dient neben formativen und summativen Rückmeldungen in den Lerntagebüchern das Nachdenken der Kinder zu Themen, die ich jeweils vorgebe oder die wir gemeinsam aushandeln. Zum Thema «Das habe ich gelernt: Freies Schreiben» habe ich mich über wirklich alle Beiträge gefreut, mit freundlicher Genehmigung darf ich stellvertretend diesen hier aus einem E-Portfolio für meinen Blog verwenden:

Das habe ich gelernt: Freies Schreiben

Geschichten erfinden, mach ich gerne, weil es mir Spass macht und ich lerne auch viel dabei. Diesen Weg mach ich deshalb, weil ich Freude dran habe und ich dann stolz auf mich sein kann, es freut mich immer, wenn ich die Geschichte dann vorlesen kann und die anderen Mitschüler mir eine Rückmeldung geben. Der Weg ist zwar sehr lange bis dahin, aber dafür hat man dann eine schöne fertige Geschichte. In diesem Schuljahr habe ich schon eine Geschichte vorgelesen, die andere ist noch in der Schreibkonferenz. Als ich in der 3. Klasse war, habe ich drei Geschichten geschrieben, die heissen: «Ein Mädchen, das gerne Golf spielte», «Das singende Schaf» und «Das tanzende Pony» und noch «Das Pferderennen».  Die zwei Geschichten, die ich dieses Jahr geschrieben habe, heissen: «Das Schwein namens Fritzli hat eine Besonderheit»  und «Anja und die Schule». Das Geheimnis: Es macht Spass und Freude und man kann dann stolz auf sich sein.

Ich bin jetzt auch gerade stolz.

20.06.2010

Übergänge

Lehrerin sein, heisst auch verwalten. Eine Tätigkeit, die ich nicht so gerne mache, die aber notwendig ist und jetzt am Ende eines Schuljahres in konzentrierter Form auftritt. Um Platz für Neues zu schaffen, müssen Dinge abgeschlossen werden: Beurteilungsberichte ausstellen, die Klassendokumentation zusammenstellen, das Abschlusspraktikum einer Studentin an der 3./4. Klasse einfädeln, Terminabsprachen mit Kolleginnen für Übergabegespräche treffen, die Integrative Förderung im kommenden Schuljahr aufzäumen, eine neue Herausforderung ab September an einer Pädagogischen Hochschule durchdenken, die Klassenpage auf Vordermann bringen …

Und erst, wenn aufgeräumt ist, werde ich mich hinsetzen und Raum schaffen fürs Schreiben, es stehen ja noch zwei Arbeiten für das Studium an, auf die ich mich sehr freue.

Verwalten? Was sage ich da, das sind ja auch hochkreative Prozesse, die in solchen Übergängen ablaufen, weil an dieser Schnittstelle zwischen Vergangenem und Geplantem die Wahrnehmung für Entwicklungen und deren Bewertung besonders geschärft ist. Und Joe Cocker im Hintergrund sorgt dafür, dass alles etwas leichter von der Hand geht…

15.06.2010

Ausgeheckt…

Meine Idee war ja, die zu unserem Schneckenthema entstandenen Kurzvorträglein zu Podcasts zu verarbeiten und diese dann in einem WebQuest für die 1./2. Klasse zur Verfügung zu stellen. Diese Idee setzen wir auch gerade um, die kurzen Episoden zu unserem Podcast «Schneckenpost» sind nun alle im Kasten, und auch das WebQuest ist bald fertig erstellt. Nun hatte eine Kollegin die Idee, ob wir die Kurzvortäglein nicht den Kindergartenkindern präsentieren möchten, sie hätten zu Beginn des Schuljahres ja auch das Thema «Schnecken» gehabt.

Meine SchülerInnen waren heute ganz begeistert von diesem Vorschlag. Nun können sie ihre geplanten Lernaktivitäten in Form von Puzzles, Quiz-Fragen, Ausmal- und Rätselbildern noch vor «fremdem» Publikum ausführen. Sie waren ja schon etwas enttäuscht darüber, dass ich es wegen des Podcasts erst einmal nur auf die mündliche Präsentation abgesehen hatte und für die Lernaktivitäten einen anderen Termin versprach. Das hat mir einmal mehr gezeigt, was Kindern wichtig ist. So bedeutet ihnen die «Konserve» ihres Kurzvortags zunächst einmal nicht so viel wie der «Nahkontakt» und die direkten Rückmeldungen ihrer MitschülerInnen. Und ganz wichtig sind ihnen kleine Wettbewerbe und Preise, Dinge, denen ich fast gar keine Bedeutung beimesse, für die ich aber gerne Raum lasse, wenn Ideen von Kindern kommen.

Das ist ja noch nicht alles, was wir auf der Treppe ausgeheckt haben. Gestern machten wir einen Termin in der letzten Sommerferienwoche ab, an dem ich der Kollegin zwei Formate vorstelle, um aus dem Kindergarten zu berichten. Sie wird dann entscheiden, ob sie mit einer einfachen Website oder mit einem Blog Eltern und Interessierte am Kindergartenleben teilhaben lassen will. Meine Aufgabe wird es sein, die Kollegin in diesem Vorhaben zu begleiten und immer dann mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es gerade nötig ist: just in time. Ich freue mich, dass ich meine Kolleginnen inspirieren kann, sie inspirieren auch mich…

10.06.2010

Schnecken-Eier

Heute haben wir gemeinsam einen Text erarbeitet, versucht, das sinnentnehmende Lesen zu üben. Obwohl der Tag noch jung war, hat uns die Wärme schon mächtig zu schaffen gemacht, zumal die sonst blossen Kinderbeine zum Teil in langen Hosen steckten, weil für den zweiten Teil des Morgens ein Waldausgang geplant war. Gerade als wir über der Formulierung eines vollständigen Satzes brüteten, rief es aus der Bubengruppe: Die haben Eier gelegt! Jawohl, das haben sie. Unsere Weinbergschnecken nämlich, deren Paarung wir noch vor wenigen Wochen beobachten konnten. Nun haben wir also ein Gelege, und natürlich wurden sogleich Fragen laut, ob es wohl noch vor den Sommerferien junge Weinbergschnecklein gibt. Wir werden sehen. Eigentlich wollte ich die Schnecken ja nun wieder an ihren Fundort zurückbringen lassen. Nachdem sie nun nämlich ihren Mai des Lebens in Freiheit verpasst haben und im öden Schulzimmer zubringen mussten, haben die Kinder nun alle Hände voll zu tun, die Terrarien schön feucht zu halten. Das werden wir nun noch auf uns nehmen, ganz neugierig darauf, ob wir noch einmal überrascht werden. Ich habe noch nie eine frisch geschlüpfte Schnecke gesehen…

9.06.2010

Podcast-Episoden

Jeden Tag entstehen nun Hördateien, die zu kurzen Episoden unseres Podcasts «Schneckenpost» verarbeitet werden. Schwer zu glauben, welche Arbeit in einem zweiminütigen Konzentrat steckt. Und beeindruckend, was sich die Kinder für Gedanken machen, wenn sie Lernprodukte für andere Kinder erstellen. Bis zu den Sommerferien wird sie noch andauern, die Aufbereitung der Kurzvorträglein. Hätte ich mal das freie und vor allem fliessende Vortragen nicht zum Kriterium erhoben. Die Texte sprudeln hervor, dass einem Hören und Sagen vergeht, so dass ich sie nun nachträglich noch mit Sprechpausen oder Jingles unterbrechen muss, um das junge Zielpublikum nicht zu überfordern. Soll noch einer sagen, die Berner seien langsam…

Im Modul 3 des Masterstudiengangs «Bildung und Medien – eEducation» haben wir nun also die schöne Aufgabe, einen Podcast zu entwickeln. Dazu will ich das Textmaterial der Kurzvorträge zum Thema «Schnecken» verwenden. Nach einer intensiven Beobachtungs- und Forschungsphase sind nun alle Lernpartnerschaften damit beschäftigt, ihre Ergebnisse in eine Form zu bringen. Als Leitfaden habe ich folgende Punkte vorgegeben:

  • Das ist/sind unsere Forschungsfrage(n)
  • So sind wir vorgegangen
  • Das haben wir (nicht) herausgefunden
  • Das ist unsere Lernaktivität für ZuhörerInnen
  • Wir fassen kurz und knackig zusammen

Ich bin beeindruckt, mit welcher Ausdauer und Ernsthaftigkeit die Kinder arbeiten. Es ist sehr erkenntnisreich, ihnen beim Diskutieren zuzuhören, welche Fragen aufkommen, wie Probleme gelöst werden:

  • Da sind einmal die zwei Mädchen, die etwas enttäuscht darüber waren, weil ihre Schnecke so gar nicht auf Geräusche und Musik reagieren wollte. Auch der Versuch, sie mit einer Stimmgabel «in Schwingung» zu versetzen, bestätigte nicht die Vermutung, dass sie wenigsten die Tastfühler einzieht. Die Schnecke blieb einfach ganz ungerührt, und die Forscherinnen kamen zum Schluss, NICHTS herausgefunden zu haben. Nun, das stimmt natürlich nicht, was ich ihnen dann auch erklärte…
  • Und dann die zwei Buben, die an einem freien Nachmittag abmachten, um zum Grossätti zu fahren, weil der einfach fast alles weiss und so eine Kamera hat, mit der man vier Stunden aufnehmen kann. Er sollte also für sie festhalten, wie Weinbergschnecken fressen. Ich will zu den wunderbaren Erfahrungen nichts verraten, weil sie ja im Vorträglein berichtet werden sollen. Wie die Buben berichteten, dass die Weinbergschnecken während ihrer Filmsession in einer Stunde einen ganzen Salatkopf vertilgten, dass sie die Schnecken dann auch wieder dorthin zurückbrachten, wo sie sie geholt hatten, hat mich sehr erheitert.

Dass man nicht alles durch Beobachten herausfinden kann, haben die meisten Kinder auch gemerkt und also im Internet «geforscht». Nun, auch das ist kein leichtes Unterfangen, wenn man auf  wissenschaftliche Texte stösst, die nicht an Dritt- und ViertklässlerInnen adressiert sind. Aber auch diese Hürde wurde erfolgreich gemeistert, und es ist nicht wenig, was die Kinder herausfanden.

Mit den Arbeitsergebnissen zum Thema Schnecken – Texte, Zeichnungen, Fotos, Rätsel, Hördateien – soll ein WebQuest entstehen. Wir sind auf guten Wegen dahin. Nach einer Doppellektion intensiver Arbeit wollten heute alle Kinder noch länger arbeiten. Das deute ich als gutes Zeichen…

Seit gut einem Jahr sammle ich Erfahrungen mit dem Freien Schreiben im Unterricht und habe dazu auf der Grundlage von Spitta und Kochan ein Verfahren mit computergestützten Schreibkonferenzen entwickelt. Nun ist es an der Zeit, den Erfolg dieses Settings zu überprüfen und zu verbessern. Nur: Wie macht man das? Ich habe versucht, zum Schreibprozessmodell von Spitta Subkategorien zu bilden und daraus Prozessfragen abzuleiten. Dabei ist ein vorläufiges Raster entstanden, das ich mit Kochans Hinweisen «Was müssten Lehrer tun, damit alle Kinder beim Freien Schreiben lernen?» um konkrete didaktische Massnahmen ergänzen werde. Daraus sollen dann Indikatoren und adäquate Evalautionsmethoden abgeleitet werden, was vor dem Hintergrund der bestehenden Erfahrungen und Dokumente datengestützt erfolgen kann. Weil der Computer als Werkzeug beim (kooperativen) Schreiben eine besondere Rolle einnimmt, interessiert mich auch der Kompetenzerwerb im Bereich von ICT, der gewissermassen ein Nebenprodukt darstellt. Eine schöne, weil knifflige Aufgabe, den Erfolg einer Online-Massnahme zu bestimmen…

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