26.12.2009

Integrativ-differenzierter Unterricht

In einem integrativ-differenzierten Unterricht stehen die beiden Dimensionen «Innere Differenzierung» und «Sozialer Austausch» im Mittelpunkt. Thommen, Anliker und Lietz haben folgende Idealkriterien formuliert:

«Strukturierung und Darbietung des Themas

Der Unterricht soll so gestaltet sein, dass der soziale und fachliche Austausch zwischen allen Kindern möglich ist. Sozialer und fachlicher Austausch soll in einzelnen Sequenzen einer Unterrichtseinheit bewusst zwischen leistungsschwachen und leistungsstarken Kindern gezielt gefördert und ermöglicht werden.

Die unterschiedlichen Lern- und Leistungsvoraussetzungen werden berücksichtigt, indem der Stoff im Bezug auf den Umfang oder den Komplexitäts- und Schwierigkeitsgrad differenziert dargeboten wird.»

Diese beiden Dimensionen möchte ich bei der Gestaltung von Unterrichtsangeboten im nächsten Quartal berücksichtigen. Zur Klassenlektüre «Hexe Lakritze» von Eveline Hasler entsteht derzeit eine Unterrichtswerkstatt mit Angeboten zum Textverständnis, zur Sprachbetrachtung und –produktion. Dies geschieht im Rahmen eines gemeinsam verantworteten Unterrichts mit meiner Kollegin, die ihrerseits ein Postenangebot im Fach Mathematik zusammenstellt.

Und weil ich gerade im Studienbrief «Instructional Design» von Gabi Reinmann zur Bedeutung der Motivation beim Lernen das ARCS-Modell von Keller entdeckte, versuche in entlang der vier Hauptelemente Aufmerksamkeit (attention), Relevanz (relevance), Erfolgszuversicht (confidence) und Zufriedenheit (satisfaction) die Empfehlungen von Niegemann bei der Gestaltung der Lernumgebung einzubeziehen…

Kommentare

Hallo Katharina;

Innere Differenzeirung ist mir bekannt. An Südtirols Landesberufsschulen wird das so gehandhabt, dass SchülerInnen mit ausgewiesenen Lernschwächen “zieldifferent” geschult und bewertet werden können.
Das geht in die Richtung der auf S.19 des integrativ-differenzierte Unterrichts genannten Idealkriterien.
Was ich mich in diesem Zusammenhang aber frage, ist, wie man die äußere Differenzierung verhindern kann. Bei uns an den Grund- und Mittelschulen trifft nämlich genau das zu. Dabei verlassen SchülerInnen zeitweise mit den Integrationslehrpersonen die Klasse und beschäftigen sich mit individuell fördernden Maßnahmen.

Die Autoren schreiben dazu: “Die individuumsbezogene Förderung, in der stundenweise mit einzelnen Kindern ausserhalb des regulären Klassenunterrichts gearbeitet wird, ist eine neue Form einer äusseren Differenzierung. Schülerinnen/Schüler werden ausgeschlossen — zumindest zeitweise. Anstatt dass die Schule gegenüber Kindern mit Schwierigkeiten und Behinderungen toleranter und tragfähiger wird — was mit der Idee der Integration klar beabsichtigt ist –, etikettiert sie weiterhin die Schülerinnen/ Schüler”.

Kann man das so pauschal definieren? Scheint mir ein schwieriges und sensibles Thema zu sein.

LG

Hallo Helmut

Ja, du triffst mitten ins Schwarze mit deiner Einschätzung, dass das ein schwieriges und sensibles Thema ist.

Der Gedanke, dass Kinder im «Separee behandelt» werden, um sie dann wieder der Gruppe zuzuführen, ist so selbstverständlich und vertraut, dass die Sichtweise der AutorInnen zunächst einmal auf Widerstand stossen muss, sowohl bei Regellehrkräften als auch bei HeilpädagogInnen.

Wer die Ansprüche eines integrativ-differenzierten Unterrichts im Sinne der AutorInnen konsequent durchdenkt, muss den Unterricht und seine Entwicklung in den Mittelpunkt rücken und geht nicht mehr vom «reparaturbedürftigen» Kind aus. Dieser Fokus rückt die Vielfalt aller Kinder ins Zentrum und die Tatsache, dass jede Lerngemeinschaft heterogen ist. Diese Heterogenität verlangt als Rahmenbedingung die Schaffung eines Lektionenpools für Teamteaching, die losgelöst von irgendwelchen «Fällen» gesprochen werden.

Bis sich das neue Paradigma durchsetzt, ist noch ein langer Weg an harter (Überzeungungs-)Arbeit vor uns. Ein steiniges und schmerzvolles Wegstück haben wir bereits hinter uns…

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