27.06.2010

Micky-Maus-Forschung

Beim Sichten von Literatur im Hinblick auf eine der bevorstehenden schriftlichen Arbeiten «Freies Schreiben mit computergestützten Schreibkonferenzen – Ein Evaluationskonzept zur Weiterentwicklung eines Unterrichtsarrangements» bin ich bei Moser auf den Begriff der Micky-Maus-Forschung gestolpert. So also kann Aktionsforschung auch gesehen werden. Während ich über diesen Begriff herzhaft lachen musste, wird jene Art Praxisreflexion, die nicht über die Praxisreflexion und das Alltagsverstehen hinausführt, von «richtigen Wissenschaftlern» belächelt. Gewünscht sind Aktionsforschungsprojekte «…welche sich dem Spannungsverhältnis zwischen Theorie- und Praxissystem stellen und bewusst auch über die Kooperation von (wissenschaftlichen) Forscher/innen und Praktiker/innen Anschlüsse an beide Systeme herzustellen versuchen» (Moser, 2008, 45). Moser spricht denn auch von Aktionsforschung, «…wenn Wissenschaft und Praxis gemeinsam ein Projekt entwickeln und durchführen» (2008. 41). Sehr gerne hätte ich als Praktikerin externe wissenschaftliche Begleitforschung. Nur kenne ich keine Gefässe, die so etwas ermöglichen, viel mehr erfahre ich Wissenschafts- und Praxissystem strukturell als zwei getrennte Bereiche: Da sind einerseits die LehrerInnen an ihren Schulen, die unter permanentem Handlungsdruck agieren, wodurch Unterricht mitunter auch «schmuddelig» abläuft. Der Blick in Forschungsabteilungen an Pädagogischen Hochschulen lässt ganz spannende Forschungsprojekte erkennen, in denen LehrerInnen allenfalls als Forschungsobjekte im System fungieren, von einer aktivforschenden Rolle im Prozess sind sie aber ausgeschlossen. Im Zuge der Bedeutung von Evaluationen an Schulen wären «wissenschaftliche Handreichungen» nicht nur auf der Ebene der Schulleitungen, sondern für die einzelnen LehrerInnen aber dringend geboten.

Im Buch «Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht» von Altrichter und  Posch habe ich entdeckt, dass Aktionsforschung auch anders definiert werden kann. Hier werden «forschende LehrerInnen» alles andere als belächelt, mehr noch, die Autoren äussern ihr Gefallen daran, dass forschende LehrerInnen «…sich im Gesamten gesehen nicht die Initiative aus der Hand nehmen…» (2007, 12) lassen. Mir gefällt diese Sichtweise ausserordentlich gut, sowie das ganze Buch, das aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpft und mir  für die Entwicklung eines Evaluationskonzepts nun auch zur Orientierung dienen soll. Toll finde ich diesen Ansatz auch deshalb, weil die Erforschung des Unterrichts sich nicht nur an LehrerInnen, sondern auch an Schulleitungen richtet. Schule wird so von «unten her» gedacht und rückt die Unterrichtsentwicklung in den Mittelpunkt, was letztlich auch Schulentwicklung bedeutet. LehrerInnen kommt damit eine ganz aktive und gestaltende Rolle zu, was könnte mir besser gefallen…

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